Israel

Israel erlaubt Tanklaster nach Gaza - Kommunikationsnetze gestört

17. November 2023, 16:39 Uhr
Künftig dürfen pro Tag zwei Tanklaster Diesel in den Gazastreifen bringen. Foto: Abed Rahim Khatib/dpa
© Keystone/dpa/Abed Rahim Khatib
Im Ringen um dringend benötigte Treibstofflieferungen für Gaza hat Israel den Forderungen von UN-Helfern zumindest teilweise nachgegeben.

Zwei Tanklaster pro Tag dürfen demnach künftig Diesel in den Küstenstreifen bringen, wie ein hochrangiger israelischer Regierungsvertreter am Freitag sagte. Das Hilfswerk für Palästinensische Flüchtlinge (UNWRA) hatte zuvor gewarnt, die humanitäre Unterstützung für die Menschen in dem abgeriegelten Gebiet werde wegen des Spritmangels zusammenbrechen.

Die bereits am Donnerstagabend in die Knie gegangenen Kommunikationsnetze, deren Stromversorgung auch am Treibstoff für Generatoren hängt, blieben auch am Freitag gestört. Palästinensische Medien im Westjordanland berichteten von erheblichen Problemen, Bewohner des Küstenstreifens zu erreichen: Anrufe gingen nicht durch, auch Nachrichten nicht.

Nach dem Massaker der islamistischen Terrororganisation Hamas in Israel am 7. Oktober mit 1200 Toten hat die israelische Regierung die Stromversorgung sowie Treibstofflieferungen in den Gazastreifen gekappt. Israel fürchtet, dass der Sprit in die Hände der Hamas gelangen könnte.

Verwirrung gab es über die Lieferung weiterer Hilfsgüter. Nach israelischer Darstellung wurde 144 Lastwagen die Fahrt aus Ägypten in den Gazastreifen genehmigt. Nach UNRWA-Aussage kam keine Hilfe an.

Die israelische Armee forderte auch am Freitag Menschen in Wohnvierteln im nördlichen Gazastreifen auf, sich in Sicherheit im Süden zu bringen. Israels Generalstabschef kündigte an, die Operation auf weitere Gebiete auszudehnen. Soldaten hatten zuvor nahe dem in den vergangenen Tagen umkämpften Schifa-Krankenhaus die toten Körper zweier Geiseln entdeckt.

Diesel ist für Wasser- und Aberwasserinfrastruktur bestimmt

Die beiden täglichen Laster mit Diesel sollen den Angaben zufolge über den Grenzübergang Rafah von Ägypten nach Gaza fahren. Der Diesel soll demnach die Stromversorgung für die Wasser- und Abwasserinfrastruktur garantieren - auch, um den Ausbruch von Epidemien zu verhindern.

Schon vor dem seit sechs Wochen tobenden Krieg war die Stromversorgung in dem 40 Kilometer langen Gazastreifen prekär: Es gab täglich stundenlange Stromausfälle. Deshalb nutzen etwa Krankenhäuser, Schulen und auch viele private Haushalte Generatoren, die mit Treibstoff laufen. Auch Entsalzungsanlagen für die Aufbereitung von Trinkwasser werden so betrieben, ebenso Pumpen für die Wasserversorgung. Auch das einzige, inzwischen abgeschaltete Kraftwerk im Gazastreifen benötigt Treibstoff.

UNRWA konnte wegen Spritmangels keine Hilfsgüter mehr annehmen

Vor dem Krieg fuhren UN-Angaben zufolge täglich etwa 45 Tanklastwagen für kommerzielle und humanitäre Zwecke in das Küstengebiet. Eine UNRWA-Sprecherin sagte, das Hilfswerk habe wegen Spritmangels in seiner Fahrzeugflotte in den vergangenen Tagen keine Hilfsgüter mehr annehmen können.

Für Verwirrung sorgte am Freitag, dass Israel mitteilte, es habe 144 Lastwagen die Fahrt aus Ägypten in den Gazastreifen genehmigt. Laut UNRWA-Angaben vom Freitagmittag kam jedoch keine Hilfe an. Möglicherweise konnten die Laster in den Transitbereich des Grenzübergangs einfahren und befanden sich damit im Niemandsland zwischen Ägypten und dem Gazastreifen.

UN-Nothilfebüro: Warnung vor Gefahr durch Kommunikationsblackout

Das im Westjordanland ansässige Telekommunikationsunternehmen Paltel hatte Donnerstagabend den Zusammenbruch seiner Netze in Gaza gemeldet. Das UN-Nothilfebüro OCHA erklärte am Freitagmorgen dazu: «Humanitäre Organisationen und Rettungsdienste haben gewarnt, dass Blackouts die Sicherheit von Zivilisten und die Bereitstellung lebensrettender Unterstützung gefährden.»

Seit Beginn des Gaza-Kriegs sind die Kommunikationsnetze in dem Küstengebiet mehrfach ausgefallen. Verbindungen nach aussen waren dabei nur noch mit Satellitenhandys und mitunter von hohen Gebäuden im Süden des Gazastreifens mit israelischen Sim-Karten möglich.

Zwei tote Geiseln nahe Schifa-Spital gefunden

Nahe dem in den vergangenen Tagen umkämpften Schifa-Spital in Gaza waren zuvor die Leichen zweier israelischer Geiseln geborgen worden. Es handelte sich um zwei Frauen im Alter von 65 und 19 Jahren. Bei ihrem Einsatz in der grössten Klinik des Küstenstreifens fanden die israelischen Streitkräfte nach eigenen Angaben auch Kommando- und Kontrollzentren. Unklar blieb, ob es sich dabei auch um die unter dem Spital vermutete Hamas-Kommandozentrale handelte. Die Hamas bestreitet die Existenz eines solchen Stützpunkts unter der Klinik.

Israelischer Militärchef: Hamas-Kommandeure systematisch ausschalten

Israels Generalstabschef Herzi Halevi kündigte eine Ausweitung der Einsätze im Gazastreifen an. «Wir sind kurz davor, das militärische System im nördlichen Gazastreifen zu zerschlagen (...) wir werden in anderen Gebieten weitermachen», sagte Halevi laut Mitteilung am Freitag bei einem Truppenbesuch im Gazastreifen. Kommandeure der islamistischen Hamas müssten «systematisch» ausgeschaltet und Infrastruktur zerstört werden. Dazu würden «immer mehr Regionen ins Visier» genommen.

Bislang konzentrierten sich Israels Bodentruppen in den vergangenen Wochen auf den nördlichen Teil des Gazastreifens. Auch am Freitag rief die israelische Armee Bewohner mehrerer Viertel auf, sich im Süden des Gazastreifens in Sicherheit zu bringen. Experten gehen aber von einer möglichen Ausweitung der Einsätze auch im Süden aus. Dort kommt es bereits immer wieder zu Luftangriffen.

Palästinenser: Noch etwa 800 000 Menschen im Norden des Gazastreifens

In nördlichen Teil des Gazastreifens sollen sich fast sechs Wochen nach Kriegsbeginn immer noch rund 800 000 Menschen aufhalten. Das berichtete das UN-Nothilfebüro OCHA unter Berufung auf die palästinensische Statistikbehörde (PCBS) im Westjordanland. Auf welcher Erhebung diese Schätzung beruhte, blieb teils unklar.

Insgesamt sind nach UN-Angaben rund 1,6 der 2,3 Millionen Menschen im Gazastreifen wegen der israelischen Angriffe auf der Flucht. Tausende Wohnhäuser sind zerstört worden.

Wieder Gefechte an libanesisch-israelischer Grenze

An der Grenze zwischen Israel und dem Libanon gab es wieder Gefechte. Das israelische Militär meldete am Freitag, mehrere «Terrorziele der Hisbollah» angegriffen zuhaben. Die pro-iranische Hisbollah erklärte, israelische Ziele mit «angemessenen Waffen» attackiert zu haben und «direkte Treffer» erzielt zu haben.

Quelle: sda
veröffentlicht: 17. November 2023 16:39
aktualisiert: 17. November 2023 16:39