Bulgarien sucht die Superstadt: ESC in Burgas oder Sofia?
Vier bulgarische Städte rissen sich um die ESC-Gastgeberschaft im kommenden Jahr. Beworben haben sich neben der Hauptstadt Sofia auch Daras Heimatstadt Warna am Schwarzen Meer sowie Bulgariens zweitgrösste Stadt Plowdiw, die 2019 europäische Kulturhauptstadt war, und Burgas am Schwarzen Meer.
Nach der ersten Auswahlrunde blieben im sogenannten City Bid nur noch zwei Bewerbungen übrig: die der Hauptstadt Sofia und die der Touristenhochburg Burgas.
Entscheidung soll bis Ende Juli fallen
Der Auswahlprozess kommt jetzt in seine entscheidende Phase. Die Frage ist: Sofia oder Burgas? Bis Ende Juli müsse der zuständige Ausschuss seine Arbeit beendet haben, sagt die Chefin des Bulgarischen Nationalen Fernsehens BNT, Milena Milotinowa. Der öffentlich-rechtliche Sender spielt eine wichtige Rolle bei der Vorbereitung und Organisation des ESC in Partnerschaft mit der Europäischen Rundfunkunion (EBU).
Sofia: Balkanmetropole mit antikem Erbe
Viele in Bulgarien sehen die Hauptstadt Sofia als den selbstverständlichen Austragungsort des Eurovision Song Contest. «Sofia ist eine Stadt mit tausendjähriger Geschichte, moderner Infrastruktur und einmaliger Kombination von Kulturerbe, dynamischem Stadtleben und Natur», schwärmt Oberbürgermeister Wassil Tersiew über Sofia. Die Arena 8888 Sofia ist zudem die grösste Mehrzweckhalle des Balkanlandes mit einer Kapazität von etwa 12.000 bis 15.000 Zuschauerinnen und Zuschauern.
Die Metropole mit rund 1,3 Millionen Einwohnern unterhalb des bis zu 2290 m hohen Witoscha-Gebirges ist Bulgariens grösste Stadt. Sofias Altstadt ist von archäologischen Ausgrabungsstätten aus der Römerzeit und historischen Sehenswürdigkeiten geprägt. Orthodoxe und katholischen Kirchen, Synagoge und Moschee stehen im Zentrum in grosser Nähe - das Viereck wird «kleines Jerusalem» genannt.
Als Zeitzeugen stehen in Sofia noch immer Gebäude aus kommunistischer Zeit. Die Verschmelzung von Antike, neuerer Geschichte und moderner Gegenwart lockt immer mehr Städtetouristen nach Sofia. Der praktisch am Stadtrand gelegene internationale Flughafen bietet bequeme Flugverbindungen.
Burgas: Touristenhochburg und Partymetropole
Die Hafenstadt Burgas am Schwarzen Meer und die Badeorte in der Umgebung wie etwa der international bekannte Sonnenstrand (Slantschew Brjag) gelten als Bulgariens maritime Partyzone.
Die mit rund 200.000 Einwohnern viertgrösste bulgarische Stadt Burgas ist wiederum das wirtschaftliche und kulturelle Zentrum von Bulgariens Südosten. Dort wurde erst 2023 die neue Arena Burgas eröffnet.
Die könnte bei Konzerten auf bis zu 15.000 Zuschauerinnen und Zuschauern erweitert werden. Der Flughafen Burgas ist nach dem Airport Sofia der am meisten frequentierte Flugplatz des Landes.
«Burgas mag die bevölkerungsmässig kleinste Stadt unter den ESC-Bewerbern sein, doch nimmt es sich dieser Möglichkeit mit grossem Ehrgeiz an», sagt Bürgermeister Dimitar Nikolow. Er zeigt sich überzeugt von Burgas' Kapazität, für den Eurovision Song Contest eine aussergewöhnliche Kulisse direkt an der Schwarzmeerküste zu bieten. Ein Eurovision-Event in Burgas am Schwarzen Meer könnte zudem Bulgarien touristisch präsentieren.
Strenge Auswahlkriterien
Für die Auswahl des ESC-Austragungsortes gelten strenge Kriterien - wie etwa eine Event-gerechte Halle. Wie die an einer Austragung in Bulgarien interessierten Städte erfahren haben, sollte die Halle acht Wochen um den Termin im Mai herum komplett zur Verfügung stehen, eine Bühne mit einer Fläche von mindestens 10 mal 15 Metern sowie rund 2.000 Quadratmeter Backstage haben. Ausserdem seien Büroräume für mehr als 250 Personen nötig.
Auch Hotelkapazitäten und internationale Flugverbindungen seien von entscheidender Bedeutung.
Erster ESC-Sieg für Bulgarien
Für das südosteuropäische EU-Land, das zu den ärmsten in der EU gehört, ist der Triumph in Wien der erste ESC-Sieg gewesen. Seit 2005 erst nimmt Bulgarien an dem Wettbewerb überhaupt teil.
Aus finanziellen Gründen hatte es in den vergangenen drei Jahren auf eine Teilnahme verzichtet. Siegerin Dara bringt nun mit dem Song «Bangaranga» voller Elektro-Beats und Balkan-Pop-Anklängen das Event nach Bulgarien.
ESC-Austragungsorte in den vergangenen fünf Jahren waren Wien (2026), Basel (2025), Malmö (2024), Liverpool (2023) und Turin (2022). Daran sieht man: Es muss nicht immer die Hauptstadt oder grösste Stadt eines Landes der Austragungsort sein.