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Berufsverband Kinderärzte Schweiz fordert von Schulen ein Umdenken

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Berufsverband Kinderärzte Schweiz fordert von Schulen ein Umdenken

19. Dezember 2025, 01:37 Uhr
«Die Ursachen für den Ärztemangel sind vielfältig und haben nicht nur mit den zunehmenden Konsultationen wegen sogenannter Bagatellen zu tun», sagte Marc Sidler, Präsident des Berufsverbandes Kinderärzte Schweiz zu Tamedia. (Archivbild)
© KEYSTONE/DPA/CHRISTIAN CHARISIUS
Das Verlangen von Arztzeugnissen hat laut dem Präsidenten des Berufsverbands Kinderärzte Schweiz, Marc Sidler, stark zugenommen. In einem Interview mit Tamedia forderte er Schulen, Kindergärten und Kitas zum Umdenken auf.

Schulen und Kitas würden ärztliche Krankschreibungen und Dispensen für Kinder verlangen. «Das geht bis zur Dispens für den Schwimmkurs beim Kleinkind», sagte Sidler in dem am Freitag veröffentlichten Interview und fügte an: «Das sollte meiner Meinung nach im Ermessen der Erziehungsberechtigten liegen.» Auch Lehrbetriebe würden von Lernenden bereits am ersten Krankheitstag ein Arztzeugnis verlangen.

Der dadurch entstehende zusätzliche Aufwand sei ein Grund für den Ärztemangel. Die Eltern nahm Sidler im Interview in Schutz. Die Ursachen für den Mangel seien vielfältig, sagte der Verbandspräsident. Auch wenn gewisse Eltern wegen Bagatellen die Praxis aufsuchen würden, habe der Ärztemangel nicht nur mit zunehmenden Konsultationen deswegen zu tun.

«Nach meinem Empfinden haben Eltern weniger Geduld als früher, was aber auch daran liegt, dass vielen das soziale Netzwerk fehlt», sagte Sidler. Früher habe man sich in der Familie gegenseitig ausgeholfen. Heute seien Eltern oft darauf angewiesen, dass ihr Kind möglichst schnell gesund wird, weil sie vom Arbeitgeber nicht freigestellt werden. «Eine Grippe oder Erkältung braucht halt ihre Zeit», sagte der Facharzt für Kinder- und Jugendmedizin.

Der Fachkräftemangel wird sich nach Angaben des Verbands der Haus- und Kinderärzte Schweiz (MFE) in den kommenden Jahren drastisch verschärfen. Eine Studie der Universität Basel eruierte die Situation. Die aktive Hausärzteschaft sei überaltert, die Arbeitszeit sinke und der Patientenkontakt gehe wegen mehr administrativem Aufwand zurück, teilte der MFE anlässlich der Publikation der Studie im Oktober mit. Es bestehe ein hoher Ersatzbedarf und schon heute herrsche ein flächendeckender Mangel.

Quelle: sda
veröffentlicht: 19. Dezember 2025 01:37
aktualisiert: 19. Dezember 2025 01:37