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Aus für Pferdekutschen in New York - und bald auch anderswo?

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Aus für Pferdekutschen in New York - und bald auch anderswo?

22. Oktober 2026, 08:11 Uhr
ARCHIV - Eine Pferdekutsche in New York. Foto: Bianca Otero/ZUMA Press Wire/dpa
© Keystone/ZUMA Press Wire/Bianca Otero
Die Pferdekutschen im New Yorker Central Park stehen vor dem Aus. Der Stadtrat der Millionenmetropole soll heute über ein Verbot der traditionsreichen und vor allem bei Touristen sehr beliebten Attraktion abstimmen, das dann schrittweise bis zum 1. Juni 2028 in Kraft treten soll.

New Yorks Bürgermeister Zohran Mamdani und Julie Menin, die Vorsitzende des Stadtrats, hatten bereits vorab mitgeteilt, dass sie sich auf den Gesetzesentwurf geeinigt und die notwendigen Stimmen dafür hätten. «Die Pferdekutschenbranche in New York City geht dem Ende entgegen», kommentierte Mamdani.

Warum sollen die Kutschfahrten verboten werden?

Vor allem Tierschützer fordern schon lange ein Ende. Sie kritisieren, dass die Pferde überarbeitet und schlecht untergebracht seien, und dass sie leicht in Panik gerieten. Die Betreiber weisen die Vorwürfe zurück. Viele von ihnen argumentieren, die Immobilienbranche stecke hinter den Verbotsinitiativen, weil sie darauf hoffe, die hauptsächlich an der Westseite Manhattans gelegenen Ställe lukrativ umbauen zu können.

Warum kommt die Verbotsinitiative gerade jetzt?

Über das Thema wird in New York schon seit vielen Jahren gestritten. Immer wieder wurden Verbotsinitiativen angekündigt - beispielsweise von Mamdanis Vorvorgänger Bill de Blasio. Aber die Initiativen versandeten - und kochten immer dann wieder hoch, wenn es zu Unfällen mit den Pferden kam. Im Juni gab es dann einen besonders dramatischen Unfall: Ein 18-jähriger Tourist aus Indien, der mit seiner Familie in New York zu Besuch war, kam ums Leben. Er war seiner Mutter aus einer Kutsche hinterhergesprungen, nachdem sie herausgeschleudert worden war. Nach dem Unfall nahm der Druck deutlich zu, die Fahrten zu verbieten.

Wie soll es für die Kutscher weitergehen?

Seit rund 150 Jahren rollen Kutschen durch den berühmten Central Park. Seine Regierung wolle nun dafür sorgen, dass die Rechte der Kutscher, Betreiber und Tiere geschützt werden, versprach Bürgermeister Mamdani - liess Details aber offen. Möglicherweise könnten einige der Kutscher künftig Gäste in speziellen Rikschas durch den Park fahren, schlug Stadtratsvorsitzende Menin vor.

Was würde das Verbot für andere Kutschfahrten-Orte bedeuten?

Zumindest wird das Vorgehen in New York anderswo mit Interesse beobachtet, denn auch an anderen berühmtem Kutschfahrten-Orten gibt es schon lange auch viele kritische Stimmen. Allerdings ist die Situation überall unterschiedlich. Ein Überblick:

Wien

Wien ohne Fiaker? Das wäre in Österreichs Hauptstadt ganz gegen einen touristischen Trend. Nach Corona sei die Nachfrage teils exorbitant gestiegen und die Kurve zeige weiter nach oben, sagt Marco Pollandt vom Marktführer Silvia Paul Fiakerbetriebe. Die insgesamt etwa 150 Kutschen, von denen täglich etwa 60 auf der Strasse unterwegs sind, gehören jedenfalls zum Stadtbild.

Die Tierschutz-Regelungen dort gelten im internationalen Vergleich als streng. Die Fiaker dürfen - abgesehen von Sonderregelungen - nur zwischen 11 Uhr und dem späteren Abend verkehren. Jedes der Tiere darf höchstens 18 Tage im Monat eingesetzt werden. Der gesundheitliche Zustand der insgesamt rund 300 Fiaker-Pferde wird oft kontrolliert.

Doch gerade im vergangenen Hitzesommer regte sich Unmut. Der Österreichische Tierschutzverein übergab im Juli Bürgermeister Michael Ludwig eine von 20.000 Menschen unterschriebene Petition, in der ein Ende der Fiaker und ein sofortiges Hitzefrei bereits ab 30 Grad (statt wie bisher 35 Grad) gefordert wird.

Griechenland

Auch in Griechenland kritisieren Tierschutzorganisationen den touristischen Einsatz von Pferdekutschen. Vielerorts hat sich das Thema jedoch mittlerweile von selbst erledigt, weil die Kutscher kaum mehr Nachwuchs finden, der das Geschäft übernehmen möchte und die Kutscherei auch nicht mehr so rentabel ist wie einst. So auch im venezianischen Alten Hafen von Chania auf Kreta. Dort wurden die Kutscherlizenzen erst Ende September erneut verlängert, doch von ursprünglich 16 Kutschern beantragten nur noch 6, die Arbeit weiter ausüben zu dürfen.

Prag

In der als Unesco-Welterbe eingestuften Prager Altstadt sind die Tage der Pferdekutsche bereits seit 2023 gezählt. Die Stadtverwaltung argumentierte bei ihrer Entscheidung mit dem Tierwohl. Die Bewegungsabläufe seien für die sozial intelligenten Tiere zu repetitiv, hiess es. Zudem müssten sie die Abgase der Autos einatmen. Für das Verbot hatten sich die Unterzeichner eine Petition starkgemacht.

Mallorca

Auf Mallorca protestieren Tierschützer seit Jahren gegen die bei Touristen beliebten Pferdekutschen. Obwohl das Rathaus in Palma bereits 2022 deren Abschaffung bis 2024 angekündigt hatte, ist der Umstieg auf Elektrofahrzeuge noch immer nicht vollzogen.

Im März vereinbarten die Gemeinde, zu der auch weite Teile des «Ballermanns» gehören, und die 28 Kutscher der Inselhauptstadt einen neuen Anlauf. Die Stadt wollte die nötigen Vorschriften zügig ändern, die Kutscher die Elektrofahrzeuge selbst finanzieren. Seitdem ist jedoch wenig passiert.

Andere Gemeinden auf Mallorca sind bereits weiter: Capdepera verbot Pferdekutschen 2016, Alcúdia beschloss 2023 den Umstieg auf zugelassene Elektrofahrzeuge und Muro verabschiedete 2024 eine entsprechende Regelung.

Quelle: sda
veröffentlicht: 22. Oktober 2026 08:11
aktualisiert: 22. Oktober 2026 08:11