Schweizer Börse mit neuem Rekord auf über 15'000 Punkten
«Nach Wochen voller Inflationssorgen, steigender Anleiherenditen und geopolitischer Unsicherheit scheinen die Anleger nach den US-Midterms wieder bereit zu sein, grössere Risiken einzugehen», kommentierte ein Marktanalyst. Mit den veränderten politischen Kräfteverhältnissen könnte der Startschuss für eine mögliche Erleichterungsrallye nun gefallen sein.
Es dominiere die Fantasie am Markt, dass politische Störfeuer aus Washington in Zukunft weniger werden könnten. Anleger sollten den Tag jedoch nicht vor dem Abend loben und sich den Dreiklang aus Nahostrisiken, Inflations- und Zinssorgen sowie KI-Zweifeln vor Augen halten, sagte der Experte.
Viele Aktien steigen um über 3 Prozent
Der Leitindex Swiss Market Index (SMI) stieg zum Handelsschluss um 1,9 Prozent auf 15'022,85 Punkte - mit einem neuen Intraday-Allzeithoch bei 15'044 Zählern. Der breite SPI kletterte um 1,7 Prozent auf 21'158 Punkte. In ganz Europa zeigte sich an den Börsen ein ähnliches Bild, und auch die US-Börsen starteten den ersten Tag nach der Wahl klar fester in den Handel.
Im SMI legten zahlreiche Titel um mehr als 3 Prozent zu, wobei die grössten Gewinner Logitech (+8,7 Prozent) im Kielwasser von Apple nach oben gespült wurden, die am Mittwoch ebenfalls stark zulegten. Zudem habe die UBS nach einer Road-Show von ermutigenden Aussagen seitens des Finanzchefs zum Firmenkundengeschäft berichtet, hiess es im Handel zum Computermäusehersteller.
Weitere grosse SMI-Gewinner waren Alcon (+5,8 Prozent), UBS (+4,6 Prozent) und Partners Group (+4,2 Prozent). Die Aktien der Grossbank profitierten von einem Bloomberg-Bericht über einen neuen Kompromissvorschlag im Ringen um die Eigenkapitalvorschriften. Gleichzeitig gingen auch die Spekulationen an den Märkten um einen möglichen Verkauf der UBS weiter - als Käufer genannt wurde erneut Morgan Stanley.
KI-Sorgen machen sich breit
Marktbeobachter verwiesen darauf, wie unterschiedlich Anleger die Folgen der veränderten politischen Mehrheitsverhältnisse in den USA für einzelne Branchen bewerten würden. So gab es nach den Wahlen an den Finanzmärkten die Sorge vor einer stärkeren Regulierung des KI-Sektors in den USA durch die Demokraten.
Wegen der «KI-Sorgen» und der Unsicherheit, wie es nach dieser Zwischenwahl mit dem Ausbau von Rechenzentren in den USA weitergehen wird, fanden sich derweil ABB (-2,8 Prozent) am SMI-Tabellenende. Auch am breiten Markt standen Belimo (-4,4 Prozent), Huber+Suhner (-4,2 Prozent) sowie Accelleron (-1,7 Prozent) in diesem Zusammenhang unter Druck.
Derweil gaben die Ölpreise weiter nach: Die Nordseesorte Brent fiel um rund 5 Prozent auf unter 99 US-Dollar. Die Entspannung am Ölmarkt sei allerdings zunächst als mögliche Atempause einzuordnen, so ein weiterer Marktbeobachter. Denn der Iran-Konflikt und die Risiken für die Energieversorgung seien weiterhin ungelöst: «Eine erneute Eskalation könnte die geopolitischen Risikoaufschläge rasch wieder erhöhen und den Ölpreis nach oben treiben.»