Berlin

«Es sind zu wenige» - Demonstration in Berlin gegen Antisemitismus

10. Dezember 2023, 17:34 Uhr
Teilnehmer schwenken Fahnen bei der Demonstration gegen Antisemitismus «Nie wieder ist jetzt!». Mehrere Initiativen und Prominente unterstützen die Demonstration. Foto: Carsten Koall/dpa
© Keystone/dpa/Carsten Koall
Gegen Antisemitismus, Hass und Rassismus sind am Sonntag in Berlin mehrere Tausend Menschen auf die Strasse gegangen.

Unter dem Motto «Nie wieder ist jetzt» liefen sie bei teils strömendem Regen vom Grossen Stern im Tiergarten zum Brandenburger Tor. Die Polizei sprach von etwa 3200 Teilnehmerinnen und Teilnehmern, die privaten Veranstalter gingen von bis zu 11 000 aus.

Die Veranstaltung war unter anderem von Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) unterstützt worden. Der Publizist Michel Friedman sagte mit Blick auf die Teilnehmerzahl unter Beifall: «Es sind zu wenige, die gekommen sind.»

Hinter einem Banner «Nie wieder ist jetzt - Deutschland steht auf» zogen die Menschen über die Strasse des 17. Juni. In der ersten Reihe waren unter anderem Berlins Regierender Bürgermeister Kai Wegner (CDU), der Schlagersänger Roland Kaiser und Bundesarbeitsminister Hubertus Heil (SPD) dabei.

«Ich erkenne zuweilen dieses Land nicht wieder. Es ist etwas aus den Fugen geraten», sagte der Präsident des Zentralrates der Juden in Deutschland, Josef Schuster. «Es ist noch die Gelegenheit, dies zu reparieren, doch dafür muss man sich auch eingestehen, was in den letzten Jahren schiefgelaufen ist, was man nicht hat sehen können oder wollen.»

Unterstützung gab es von SPD-Politiker Heil. «Wir sind viele, aber zu viele Anständige sind zu leise», sagte er. «Wir brauchen keine anständige, schweigende Mehrheit. Wir brauchen eine deutlich laute Mehrheit, die jetzt aufsteht und nicht später.» Es müsse Schluss sein mit Antisemitismus. «Wir müssen Ernst machen damit», so Heil.

Quelle: sda
veröffentlicht: 10. Dezember 2023 17:34
aktualisiert: 10. Dezember 2023 17:34