Young Boys gehen in der YB-Viertelstunde unter


Roman Spirig
Sport / 28.11.19 21:41

75 Minuten lang sah für die Young Boys alles prächtig aus. Sie führten gegen Porto 1:0, was in der Europa League zum Weiterkommen gereicht hätte. Dann kassierte YB in der YB-Viertelstunde zwei Gegentore.

Young Boys gehen in der YB-Viertelstunde unter (Foto: KEYSTONE / PETER KLAUNZER)
Young Boys gehen in der YB-Viertelstunde unter (Foto: KEYSTONE / PETER KLAUNZER)

Genau genommen kassierte YB in der Schlussviertelstunde bloss einen Gegentreffer. Der 1:1-Ausgleich fiel nach 74:58 Minuten, als die Berner Fans ihre Lieblings-Viertelstunde gerade am einläuten waren. Vier Minuten später kassierten die Young Boys nach einem Corner das zweite Gegentor. Vincent Aboubakar, die einzige Sturmspitze Portos, schoss beide Tore. Schon im Hinspiel in Portugal hatte ein Spieler - Francisco Soares, der diesmal auf der Ersatzbank blieb - beide Goals erzielt.

Als "unnötig" (Michel Aebischer) oder "vermeidbar" (Christian Fassnacht) bezeichneten die Berner hinterher die Wende. "Wir verpassten es, die Führung auszubauen. Wir spielten etwas zu verhalten. Es fehlte an Bewegung, um die freien Räume zu finden, die vorhanden gewesen wären", so Aebischer.

Das Ende war bitter für die Young Boys. Bei den Gegentoren stand YB vor dem eigenen Tor unsortiert. Beim 1:1 hebelten zwei Pässe die gesamte Berner Abwehr aus, beim 1:2 kümmerte sich am zweiten Pfosten niemand um Aboubakar, obwohl dieser schon vier Minuten vorher getroffen hatte.

Die Ausgangslage ist für die Berner nun kompliziert. Der erste Matchball wurde vergeben. In zwei Wochen in Glasgow bietet sich die zweite und letzte Chance, die Sechzehntelfinals doch noch zu erreichen. Die Young Boys müssen bei den Glasgow Rangers gewinnen - oder hoffen, dass Porto daheim gegen Schlusslicht Feyenoord Rotterdam verliert, dann würde den Bernern in Glasgow auch ein Unentschieden zum Weiterkommen reichen.

Dieses Weiterkommen, diese allfällige dritte Sechzehntelfinal-Qualifikation in der Europa League in acht Jahren, befand sich im Heimspiel gegen Porto lange in Griffnähe - obwohl YB diesmal keine Gala gelang. Die Young Boys führten 69 Minuten lang. Sie liessen es aber auch zu, dass das portugiesische Spitzenteam ab der 25. Minute immer besser ins Spiel fand und immer druckvoller agieren konnte.

Die Berner machten definitiv zu wenig aus der frühen Führung. Die Young Boys kamen schon nach 351 Sekunden zum 1:0. Dieses frühe Tor verschuldeten die Portugiesen mit. Denn die Gäste wollten die Young Boys mit einer rüden Gangart aus dem Tritt werfen. Aus dem ersten überharten Foul resultierte jener Freistoss von der linken Seite, den Ulisses Garcia vors Goal schlenzte, den gleich zwei portugiesische Verteidiger unterliefen, und den Christian Fassnacht mit dem Kopf zum 1:0 verwandelte.

Wieder Fassnacht! In den letzten vier Spielen, in denen er in der Startaufstellung stand, gelang ihm stets etwas Zählbares. Gegen Sion bereitete er ein Tor vor, gegen St. Gallen gelang ihm ein Tor, und dazwischen glückte ihm auch mit der Nationalmannschaft gegen Gibraltar ein Tor und ein Assist. Zum Helden wurde Fassnacht diesmal aber nicht. Denn in der Nachspielzeit traf Fassnacht aus kurzer Distanz halbvolley nur den Pfosten. Im ersten Europa-League-Heimspiel hatte Fassnacht in der 93. Minute die Young Boys gegen die Glasgow Rangers mit dem 2:1 ins späte Glück geschossen. Diesmal fehlten ein paar wenige Zentimeter.

Fassnacht: "Abhaken und nach vorne schauen. Jetzt müssen wir das Weiterkommen halt in Glasgow klar machen."

(sda)


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