Woodward-Buch gibt drastische Einblicke ins Weisse Haus


Roman Spirig
International / 11.09.18 19:41

Die Veröffentlichung des neuen Buches von "Watergate"-Enthüller Bob Woodward hat neue Fragen zur Sicherheitspolitik von Donald Trump aufgeworfen.

Woodward-Buch gibt drastische Einblicke ins Weisse Haus  (Foto: KEYSTONE / AP / MARK LENNIHAN)
Woodward-Buch gibt drastische Einblicke ins Weisse Haus (Foto: KEYSTONE / AP / MARK LENNIHAN)

Der US-Präsident soll dem heute Dienstag im US-Buchhandel erschienenen Werk "Fear - Trump In The White House" zufolge nur mit Mühe von dem Vorhaben abgebracht worden sein, die Familienangehörigen der US-Soldaten in Südkorea nach Hause zu holen.

Das wäre ein sicheres Zeichen für Nordkorea gewesen, dass ein US-Militärschlag bevorsteht und hätte zu drastischen Reaktionen führen können - bis hin zu einem Erstschlag Nordkoreas.

Der republikanische Senator Lindsay Graham soll Trump überzeugt haben, eine entsprechende Nachricht in seinem Lieblingsmedium Twitter nicht abzusetzen. Der Autor sagte in einem Fernsehinterview zu seinen Recherchen beim Sender NBC: "Ich habe noch nie zuvor ein Fall gesehen, dass ein Präsident so realitätsfern ist."

Das 420 Seiten starke Buch des Pulitzer-Preisträgers Woodward hatte bereits in der vergangenen Woche mit seinen Einblicken in das Innenleben des Weissen Hauses Wellen geschlagen.

Trump selbst hatte es kurz vor der Veröffentlichung noch per Twitter als Machwerk geschmäht, das nichts als Lügen beinhalte. Das Buch endet mit einem Satz, den sein früherer Anwalt John Dowd angeblich auf Trump gemünzt, ihm aber nie selbst gesagt haben soll: "Du bist ein verdammter Lügner."

Allerdings zitiert Woodward - oft namentlich genannt - aktuelle und frühere Politiker des Weissen Hauses wie den früheren Wirtschaftsberater Gary Cohn und den aktuellen Stabschef John Kelly.

Die Informationen stammen nach eigener Darstellung des Autors aus "Hunderten Stunden Interviews" mit Leuten, die ihr Wissen aus erster Hand hätten. Nur einen Tag nach dem Erscheinen der ersten Buchauszüge in der "Washington Post" hatte die "New York Times" mit einem Gastbeitrag einer anonymen Quelle aus der Trump-Administration nachgelegt und damit das Weisse Haus weiter in Aufruhr versetzt.

Woodward beschreibt die Situation mit drastischen Worten: Von "Anarchie" ist die Rede und von "Chaos". Hochrangige Mitarbeiter, wie der ehemalige Wirtschaftsberater Gary Cohn hätten Trump mit heimlichen Sabotage-Akten von Fehlhandlungen abgehalten.

Trumps erster Stabschef, Reince Priebus, wird von Woodward mit den Worten zitiert: "Wenn man eine Schlange, eine Ratte, einen Falken und ein Kaninchen und einen Hai und eine Robbe in einen Zoo ohne Wände steckt, dann fängt es an, hässlich und blutig zu werden. Genau das passiert."

Trumps neuer Stabschef, John Kelly, ein früherer General sagte in Bezug auf die Handelsbeziehungen zu Südkorea laut Woodward: "Der Präsident versteht wirklich nichts davon. Er weiss nicht, wovon er spricht."

In einer Passage des Buches wird auch die Gesundheit des Präsidenten angesprochen. Sein inzwischen entlassener Leibarzt Ron Jackson habe empfohlen, den Stress für Trump zu reduzieren und die Zahl der Meetings pro Tag auf das unbedingt Nötige herunterzufahren.

Für mehr News - hier klicken

(sda)


Anzeige
Anzeige

Das könnte Sie auch interessieren

Brand in mit Sperrgut beladenem Anhänger auf der A14
Regional

Brand in mit Sperrgut beladenem Anhänger auf der A14

In einem Lastwagenanhänger, der am Montag auf der A14 unterwegs war, hat es gebrannt. Der Anhänger konnte in Perlen entleert und der Brandherd gelöscht werden. Verletzt wurde niemand.

Luzerner CVP will Ständeratskandidatur im Januar regeln
Regional

Luzerner CVP will Ständeratskandidatur im Januar regeln

Die CVP des Kantons Luzern will parteiintern die Nachfolge ihres Ständerats Konrad Graber bis Ende Januar 2019 geregelt haben. Graber, der 2007 erstmals in die kleine Kammer gewählt worden war, hat bekannt gegeben, bei den eidgenössischen Wahlen vom Herbst 2019 nicht mehr anzutreten.

Baukommission gegen Kredit für Strassensanierung in Erstfeld
Regional

Baukommission gegen Kredit für Strassensanierung in Erstfeld

Die Baukommission des Urner Landrats hat sich gegen einen Kredit von 5,58 Millionen Franken für den Unterhalt der Kantonsstrasse in Erstfeld ausgesprochen. Das Projekt ist nicht im laufenden Strassenunterhaltsprogramm vorgesehen. Die Kommission fürchtet, dass damit ein Präjudiz geschaffen und das Unterhaltsprogramm (UHP) unterwandert werden könnte.

Mutmasslicher Kaffeefahrten-Drahtzieher angeklagt
Regional

Mutmasslicher Kaffeefahrten-Drahtzieher angeklagt

Die Staatsanwaltschaft für Wirtschaftsdelikte von Uri, Nid- und Obwalden hat gegen einen mutmasslichen Kaffeefahrten-Drahtzieher Anklage erhoben. Er soll in der gesamten Deutschschweiz unzulässig Werbefahrten organisiert und falsche Gewinnversprechen gemacht haben.