US-Präsident Trump geht mit einer Kampfansage in den Nato-Gipfel


Roman Spirig
International / 11.07.18 10:19

Im Streit um die Nato-Verteidigungsausgaben hat US-Präsident Donald Trump Berlin scharf attackiert und dies mit dem Gaspipelinebau "Nord Stream 2" gekoppelt. Die USA beschützten Deutschland, doch dieses mache einen milliardenschweren Erdgasdeal mit Russland, sagte er.

US-Präsident Trump geht mit einer Kampfansage in den Nato-Gipfel  (Foto: KEYSTONE / AP / Pablo Martinez Monsivais)
US-Präsident Trump geht mit einer Kampfansage in den Nato-Gipfel (Foto: KEYSTONE / AP / Pablo Martinez Monsivais)

"Deutschland ist total von Russland kontrolliert", sagte der US-Präsident am Mittwoch vor dem Nato-Gipfel in Brüssel. Das Land sei ein "Gefangener" Russlands. Damit werde sich seine Regierung nicht abfinden. Das sei völlig unangemessen.

Trump kritisiert das deutsch-russische Erdgasprojekt in der Ostsee seit Monaten scharf. Die USA sehen Europa als wichtigen Markt für ihr eigenes Fracking-Gas. Die rund 1200 Kilometer lange Pipeline "Nord Stream 2" soll russisches Erdgas über die Ostsee nach Mittel- und Westeuropa transportieren.

Trump verlangte erneut von allen europäischen Nato-Verbündeten höhere Verteidigungsausgaben. Die USA bezahlten seit Jahrzehnten viel mehr als die Verbündeten, das sei unfair gegenüber den amerikanischen Steuerzahlern, und das werde er ändern.

Der zweitägige Nato-Gipfel mit den Staats- und Regierungschefs aller 29 Bündnisstaaten beginnt offiziell am Mittwochmittag mit einer Zeremonie im Nato-Hauptquartier.

Wichtiges Thema des zweitägigen Spitzentreffens sind die Bemühungen des Militärbündnisses, die Abschreckung und Verteidigung gegen Russland weiter zu stärken. Diese Themen dürften aber vom Streit um die Verteidigungsausgaben überschattet werden.

Trump fordert, dass alle Bündnispartner spätestens von 2024 an jährlich mindestens zwei Prozent ihres Bruttoinlandsprodukts für Verteidigung ausgeben und verweist dabei auf einen Beschluss des Nato-Gipfels in Wales aus dem Jahr 2014.

Vor allem die deutsche Kanzlerin Angela Merkel muss damit rechnen, auch direkt scharf angegangen zu werden. Trump hält die deutschen Verteidigungsausgaben für viel zu gering, obwohl sie in den vergangenen Jahren deutlich gesteigert wurden.

Deutschland hat seine Ausgaben seit 2014 nur von 1,18 auf 1,24 Prozent erhöht. Die USA liegen bei 3,6 Prozent und tragen damit mehr als zwei Drittel des Nato-Budgets.

Bereits beim ersten Nato-Gipfel mit Trump im Mai 2017 war es zu einem beispiellosen Eklat gekommen. Der US-Präsident hatte damals eine Rede zur Vorstellung eines Denkmals dazu genutzt, um aggressiv Kritik an den Bündnispartnern zu üben.

(sda)


Anzeige

Das könnte Sie auch interessieren

Degenkolbs Rückkehr und Portes grosses Pech
Sport

Degenkolbs Rückkehr und Portes grosses Pech

Der Deutsche John Degenkolb gewann in Roubaix die spektakuläre 9. Etappe der Tour de France und feierte nach einer langen Leidenszeit einen emotionalen Triumph. Freud und Leid dagegen bei BMC: Greg van Avermaet bleibt Leader, Richie Porte musste die Tour aufgeben.

Youngster Kramer gegen Innerschweizer Eidgenossen
Schwingen

Youngster Kramer gegen Innerschweizer Eidgenossen

Seit seinem Sieg am Bergkranzfest auf dem Stoos gilt der Freiburger Teenager Lario Kramer als Komet im Schwingen. Am Sonntag kann er sich am Freiburger Kantonalfest in Riaz erneut beweisen.

Vor dem Gotthardtunnel stehen die Fahrzeuge auf über14 Kilometern
Regional

Vor dem Gotthardtunnel stehen die Fahrzeuge auf über14 Kilometern

In der ganzen Schweiz und in Nachbarländern haben am Wochenende die Sommerferien begonnen. Das zeigt sich auf den Strassen: Nördlich des Gotthardtunnels auf der A2 standen die Fahrzeuge am frühen Samstagmorgen auf 14 Kilometern.