Uli Forte setzt auf die Macht der Worte


Roman Spirig
Sport / 09.04.19 15:23

Für den Klub der Heilsbringer, bei den Fans der Buhmann: Der neue Trainer Uli Forte muss sich bei seiner Rückkehr zu den Grasshoppers an mehreren Fronten beweisen. Dabei setzt er in erster Linie auf den Diskurs.

Uli Forte setzt auf die Macht der Worte (Foto: KEYSTONE / ENNIO LEANZA)
Uli Forte setzt auf die Macht der Worte (Foto: KEYSTONE / ENNIO LEANZA)

Als Uli Forte am Dienstag um zehn Uhr im Restaurant "Au Premier" im Zürcher Hauptbahnhof als neuer Coach der Grasshoppers vor die Medien trat, brauchte er zuerst vor allem eines: Geduld. Denn anstelle selber zu reden, musste Forte, der gerne und in sechs verschiedenen Sprachen spricht, seinem neuen Präsidenten Stephan Rietiker das Wort überlassen. Rietiker sprach über neue Strukturen bei GC, er sprach über die sportliche Situation und er sprach über die Trainer. Über den alten von GC, Tomislav Stipic, dem er dankte und grosse Professionalität attestierte, und über den neuen Feuerwehrmann Forte, der wieder "mehr Zürich zu GC" bringen soll.

Rietiker, der bei der Rekrutierung des neuen Coaches die Dienste eines Headhunters in Anspruch genommen hatte, sieht in Forte den Mann für die kurz- und mittelfristige Entwicklung bei den Zürchern. Sein Zweijahres-Vertrag bleibt auch im Falle des Abstiegs in die Challenge League gültig. Die neue GC-Führung traut es dem 44-jährigen Zürcher eher zu, mit den Grasshoppers den Turnaround noch zu schaffen, als Vorgänger Stipic. Dem 39-jährigen Deutsch-Kroaten, der noch von Rietikers Vorgänger Stephan Anliker eingesetzt worden war, wurde nach 33 Tagen die Verantwortung über die Grasshoppers wieder entzogen.

"Wir haben mit vielen Leuten und Kandidaten Gespräche geführt. Die Wahl für Uli Forte war am Ende eindeutig", kommentierte Rietiker den Entscheid für den 44-Jährige. Rietikers primäres Ziel sei nach wie vor, "den Grasshopper-Club in der Super League zu halten". Falls allerdings das Worst-Case-Szenario eintrifft, verfügt GC in Forte nun über einen Trainer, der in der Challenge League erprobt ist.

Vor zwei Jahren hatte er den Stadtrivalen FC Zürich in einem ähnlichen Zustand übernommen, den Fall in die Zweitklassigkeit nicht verhindern können, aber die Zürcher umgehend zurück in die höchste Spielklasse geführt. Zuvor hatte Forte auch den FC St. Gallen von der Challenge League zurück in die Super League (2008/09) gebracht.

Nachdem Forte im Au Premier seine erste Geduldsprobe als GC-Trainer überstanden hatte und selber zu Wort kam, widmete er sich der Frage, wie er das Unmögliche mit GC doch noch möglich machen will. Fünf Punkte müssten die Grasshoppers in den letzten acht Runden auf Neuchâtel Xamax gutmachen, um immerhin noch in der Barrage gegen die Relegation kämpfen zu dürfen.

Forte zählt bei dieser Mission vor allem auf die Macht der Worte. Dem fehlenden Selbstvertrauen bei seinen Spielern will er mit Einzelgesprächen entgegenwirken. "So hört man den Spieler und erkennt seine Sorgen und Schwächen", sagt Forte. Die unter Stipic ausgemusterten Shani Tarashaj, Arlind Ajeti, Julien Ngoy, Nikola Gjorgjev und Mersim Asllani will er wenn möglich durch Dialog zurück ins Team führen. "Ein neuer Trainer bedeutet auch immer eine neue Chance für alle." Ajeti dürfte etwa schon gegen Basel in die Abwehr der Grasshoppers zurückkehren.

Bleiben die aufgebrachten Fans, die Forte den Abgang bei GC vor sechs Jahren nicht verziehen haben. Nach einer sehr gelungenen Saison 2012/13, GC gewann den Cup und beendete die Meisterschaft im 2. Rang, hatte Forte den Rekordmeister fluchtartig verlassen und bei den Young Boys angeheuert. Er selber begründete den Wechsel damals mit der fehlenden Wertschätzung bei GC, die Zürcher Fans unterstellten dem Trainer Geldgier. Rückblickend spricht Forte von einem Fehler und von Wiedergutmachung. "Ich schulde den Fans und dem Klub etwas", sagte er bei seiner Vorstellung.

Auch im Wissen darum, dass einige Supporter am Tag der Bekanntgabe von Fortes Rückkehr am Campus und vor Fortes Wohnung in Zürich Spruchbänder mit Schmähungen aufzogen, will Forte den Weg zurück zu den Fans finden. Über Einsatz, über Aufopferung und über eine offene Türe. "Ich habe ein offenes Ohr für die Sorgen und Gedanken eines jeden Fans." Forte zeigte Verständnis dafür, dass es noch "böses Blut" gebe. Dennoch appelliert er an die Fans, seinen Fehler von damals nicht in die Mannschaft von heute zu tragen.

(sda)


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