SVP-Politiker Glarner bittet diffamierte Lehrerin um Entschuldigung


Roman Spirig
Schweiz / 10.06.19 03:40

Der Aargauer SVP-Nationalrat Andreas Glarner, der eine Stadtzürcher Lehrerin diffamiert hatte, bedauert den Vorfall. "Es war ein Fehler gewesen", sagte Glarner in der Sendung "Sonntalk". Er bat die Lehrerin um Entschuldigung.

SVP-Politiker Glarner bittet diffamierte Lehrerin um Entschuldigung (Foto: KEYSTONE / GIAN EHRENZELLER)
SVP-Politiker Glarner bittet diffamierte Lehrerin um Entschuldigung (Foto: KEYSTONE / GIAN EHRENZELLER)

Glarner hatte die Handynummer der Lehrerin in einem Facebook-Post veröffentlicht, daraufhin klingelte das Telefon bei ihr Sturm. Die Lehrerin hatte Eltern in einem Brief über die langjährige Schulpraxis informiert, dass muslimische Schüler für das Bayram-Fest zum Ende des Ramadans freibekommen. Dem SVP-Politiker passte dies nicht und veröffentlichte den Brief auf seinem Facebook-Profil, inklusive Name und Telefonnummer der Lehrerin. "Vielleicht möchte jemand der Lehrerin mitteilen, was man davon hält", schrieb er dazu.

Was er getan habe, sei nicht korrekt gewesen, sagte Glarner in der TV-Sendung. "Es tut mir wirklich leid". Er habe aber nicht wissen können, dass es sich um die private Handynummer der Lehrerin gehandelt habe. Im Brief sei die Nummer explizit als "Schulhandy" deklariert gewesen - ein solches könne man Abends nach 17 Uhr ausschalten.

Die Aktion des Nationalrats löste einen Sturm der Entrüstung aus. Die Zürcher Bildungsdirektorin Silvia Steiner (CVP) verurteilte den Aufruf Glarners in einer Stellungnahme als "inakzeptabel". Die Lehrerin habe korrekt gehandelt. Die Dispensation aus religiösen Gründen habe im Kanton Zürich eine lange Tradition und sei rechtlich klar geregelt. Früher waren es in erster Linie katholische und jüdische Kinder, die im reformierten Zürich an gewissen Feiertagen frei erhielten. Die Regierungsrätin sicherte der Lehrerin die Unterstützung zu. Diese kündigte rechtliche Schritte gegen den Aargauer an.

Auch der Stadtzürcher Schulvorsteher Filippo Leutenegger (FDP) zeigte sich in einer Mitteilung befremdet über das Verhalten des Politikers. Der Angriff auf die engagierte Lehrerin sei nicht nur ungerechtfertigt, sondern auch unhaltbar. Von einem Politiker müsse man erwarten können, dass er sich der Wirkung eines solchen Posts bewusst sei, schrieb Leutenegger. In diesem Fall sei eine korrekt handelnde Lehrerin an die Öffentlichkeit gezerrt und Belästigungen ausgesetzt worden.

(sda)


Anzeige

Das könnte Sie auch interessieren

Flugzeugbauer Pilatus liefert sechs PC-24 nach Schweden
Wirtschaft

Flugzeugbauer Pilatus liefert sechs PC-24 nach Schweden

Der Nidwaldner Flugzeugbauer Pilatus kann sechs Stück seines Business-Jet PC-24 nach Schweden verkaufen. Die Flieger werden mit kompletter Ambulanzausstattung im Jahr 2021 ausgeliefert.

Junge Berufsleute verunfallen häufiger als ältere
Regional

Junge Berufsleute verunfallen häufiger als ältere

Jugendliche, die eine Lehre machen, verunfallen auf der Arbeit und in der Freizeit häufiger als ihre älteren Berufskollegen. Grund dafür seien eine höhere Risikobereitschaft und eine geringere Erfahrung, schreibt die Suva.

Regional

"Tubel!" Ausfälliger Zürcher Autofahrer vor Kantonsgericht Obwalden

Mit "Tubel" und Ärgerem soll ein 56-Jähriger aus dem Kanton Zürich in Sarnen Insassen eines Lieferwagens beschimpft haben. Am Dienstag musste er deswegen vor dem Kantonsgericht Obwalden antraben, und auch weil er eine grobe Verkehrsregelverletzung begangen haben soll.

Die Kranzfestsieger der Saison 2019
Schwingen

Die Kranzfestsieger der Saison 2019

Vor dem ESAF in Zug gibt es hier alle Kranzfestsieger der Saison 2019 im Überblick. Reichmuth, Wicki, Orlik, Giger, Aeschbacher, Schurtenberger, Bösch, Wenger und und und... Es gibt viele in dieser Saison, die jubelten und unter ihnen so einige Königsanwärter.