Stürmer, die stürmen! Ambühl und Fischer erklären uns die Stärke der neuen Nati


Roman Spirig
Sport / 13.05.19 15:47

Andres Ambühl, der Routinier, sagte es beiläufig: "Die Silbermedaillen haben alles verändert." Die Erfolge sind kein Zufall: Das Eishockey-Nationalteam verfügt über Stürmer, die stürmen und skoren. Das Stürmerproblem, das uns bis 2013 verfolgte, ist gelöst.

Stürmer, die stürmen! Ambühl und Fischer erklären uns die Stärke der neuen Nati (Foto: KEYSTONE / SALVATORE DI NOLFI)
Stürmer, die stürmen! Ambühl und Fischer erklären uns die Stärke der neuen Nati (Foto: KEYSTONE / SALVATORE DI NOLFI)

Es existiert nicht mehr. Die Schweiz verfügt mit Timo Meier über einen Flügel, der in der NHL diese Saison für die San Jose Sharks schon 35 Tore und 43 Assists gepunktet hat. Auch Nino Niederreiter kämpft mit Carolina in einer Schlüsselrolle noch um den Einzug in den Stanley-Cup-Final. Und auch ohne die zwei wuchtigsten Angreifer gelingen der Schweiz gegen Italien (9:0) und Lettland (3:1) zwölf Goals. Und auch die besten Skorer der Schweizer Liga können sich mittlerweile auf der internationalen Bühne durchsetzen.

Diese Feststellung entspricht nicht nur einer Momentaufnahme nach zwei Partien gegen schlechter klassierte Gegner. An der WM 2013 in Stockholm skorten Reto Suri, Denis Hollenstein und Julian Walker gleich viele Punkte wie Niederreiter. Im letzten Jahr in Kopenhagen gelangen Enzo Corvi gleich viele Punkte wie Niederreiter und Andrighetto. In Bratislava glänzten bislang primär die "Nordamerikaner" Nico Hischier, Kevin Fiala und Vincent Praplan - aber auch Gregory Hofmann und Simon Moser erzielten schon zwei Tore.

Patrick Fischer, der Nationalcoach, bildete vor zwei Jahrzehnten mit Marcel Jenni und Sandy Jeannin eine Schweizer Sturmlinie, die am Anfang der Ära Ralph Krueger auch an Weltmeisterschaften Tore kreieren konnte. "Aber", sagt Fischer heute, "damals waren wir offensiv noch nirgends. Ich spielte einst als Stürmer, aber gegen die besten Nationen kamen wir gar nie in Scheibenbesitz. Wir waren Stürmer, die meist verteidigen mussten. Einen ersten, auslösenden Pass gab es gar nicht, wir spielten einfach den Puck aus dem eigenen Drittel."

Und jetzt? "Heute sind unsere jungen Spieler ganz eindeutig viel besser ausgebildet. Sie haben schon mit 16, 17 Jahren viel mehr drauf und schiessen um einiges besser als meine Generation. Und ihnen kommt auch entgegen, dass wir im Nationalteam in den letzten Jahren versuchten, auch gegen starke Gegner offensiver aufzutreten."

Die Angreifer mit dem grössten Momentum sind in Bratislava vor dem Spiel gegen Österreich Nico Hischier und Gregory Hofmann. Hischier markierte in seinen ersten sechs Länderspielen sechs Tore und fünf Assists. Hischier bleibt aber bescheiden. "Ich denke, jeder hätte das 2:1 gegen Lettland machen können. Jeder hätte dort stehen können." Aber Hischier stand am richtigen Fleck, "und als der Puck im Tor lag, waren das Emotionen pur für mich".

Von Hischier, dem Nummer-1-Draft, hatte Grosses erwarten werden dürfen. Überraschender kommt, dass auch Gregory Hofmann in der Nationalmannschaft mit der gleichen Kadenz Tore schiesst wie in den letzten zwei Saisons für den HC Lugano. Hofmann erzielte in den letzten sechs Länderspielen fünf Goals, nur in einem Spiel traf er bloss den Pfosten. In den letzten zwei Saisons gelangen Hofmann für Lugano 115 Skorerpunkte. Letzte Saison erzielte er in der National League erstmals über 30 Tore. Im Vergleich zu 2017 verdoppelte Hofmann in den letzten zwei Saisons seine Punkteausbeute (von 30 auf 60 und 55). In der Plus-/Minusbilanz verbesserte er sich von Minus-10 (2017) auf zweimal Plus-17 (2018 und 2019).

Hofmann mag sich gar keine Gedanken darüber machen, wieso es plötzlich auch an Weltmeisterschaften für ihn gut läuft. "Es stimmt: So gut wie im Moment lief es mir in der Nationalmannschaft noch nie. Aber darüber mache ich mir keine Gedanken. Wichtiger ist, dass ich weiter mein Spiel durchziehe. Das beinhaltet kämpfen, Tempo, jede Abschlussmöglichkeit sofort wahrnehmen und stets den Weg vors Tor suchen."

Genau diese Spielweise ist international gefragt. Und immer mehr Schweizer beherrschen sie. Noch vor acht Jahren, an der letzten WM in der Slowakei, erzielten die Schweizer nur 2,5 Tore im Schnitt, gegen die Top-6-Nationen sogar nur anderthalb Tore pro Spiel. Die Schweizer benötigten damals mehr als 13 Torschüsse pro Goal - der schlechteste Wert aller Nationen. Heuer erzielten die Schweizer schon zwölf Tore, nur drei weniger als vor acht Jahren an der ganzen WM. Und für einen Treffer benötigen sie im Schnitt bloss noch 8,1 Torschüsse. Wenn die Schweizer mit dieser Kadenz weitermachen, dann winkt am Dienstagabend gegen Österreich der dritte Sieg an dieser WM.

(sda)


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