Spatenstich in Altdorf: Vom Regionalbahnhof zur ÖV-Drehscheibe


Roman Spirig
Regional / 09.09.19 11:52

Der beschauliche Regionalbahnhof Altdorf wird zu einem Kantonsbahnhof und damit zu einer zentralen Drehscheibe des öffentlichen Verkehrs am Gotthard. Am Montag ist der offizielle Baustart gefeiert worden, Ende 2021 wird der erste Zug in den neuen Bahnhof einfahren.

Spatenstich in Altdorf: Vom Regionalbahnhof zur ÖV-Drehscheibe (Foto: KEYSTONE / URS FLUEELER)
Spatenstich in Altdorf: Vom Regionalbahnhof zur ÖV-Drehscheibe (Foto: KEYSTONE / URS FLUEELER)

Während des ersten Jahres der zweijährigen Bauzeit, von Dezember 2019 bis Dezember 2020, wird kein Zug in Altdorf halten. Der Bahnhof wird total gesperrt. "Für mehr Sicherheit und auch, um die Bauarbeiten zügiger und günstiger vorantreiben zu können", wie Daniel Salzmann, Gesamtprojektleiter Nord-Süd-Achse der SBB, am Montagmorgen in Altdorf sagte. Für Bahnersatz werde selbstverständlich gesorgt.

Seit rund zehn Jahren arbeite die Urner Regierung am Entwicklungsschwerpunkt Bahnhof Altdorf, sagte Regierungsrat Urban Camenzind am symbolischen Spatenstich vom Montag. Heute sei ein Freudentag für den Kanton Uri. Die ÖV-Erschliessung im Kanton Uri werde nachhaltig und zukunftsträchtig verbessert, sagte er.

Künftig können dank Investitionen in die Gleis- und Perronanlagen Intercity-Züge, die durch den Gotthard-Basistunnel verkehren, auch in Altdorf halten, ebenso Fernverkehrs- und Regionalzüge. Täglich sollen einst rund 90 Züge im neuen Bahnhof halten.

Per Ende 2021 erweitert der Kanton Uri zudem das Busnetz. Neu werden die Linien der Auto AG Uri und die Postautokurse auf den Kantonsbahnhof abgestimmt. Das selbe gilt für die überregionalen Schnellverbindungen "Tellbus" nach Luzern und "Winkelriedbus" nach Stans. Dafür Baut der Kanton Uri die neuen Busbahnhöfe auf der Ost- und Westseite des Bahnhofs mit insgesamt acht Bushaltekanten.

Für die Urner Regierung ist der neue Bahnhof nicht nur für den öffentlichen Verkehr wegweisend. Er sei auch ein Schlüsselprojekt für die Siedlungs- und Verkehrsentwicklung im Urner Talboden. "Das Projekt sehen wir als grosse Chance für unsere Gemeinde", sagte Altdorfs Gemeindepräsident Urs Kälin. Es eröffne neue Perspektiven.

So blickten am Schluss des feierlichen Starts der Bauarbeiten die versammelten Gäste in den Himmel (und nicht auf Spaten), als Schulkinder und Vertreter von SBB, Kanton und UKB rote, weisse, gelbe und schwarze Ballone in den Himmel steigen liessen.

Insgesamt investieren die vier Partner SBB, Kanton Uri, Gemeinde Altdorf und die Urner Kantonalbank "weit über 100 Millionen Franken" in die neue ÖV-Drehscheibe, wie die Regierung in einer Medienmitteilung festhält.

Die UKB unterstützt das Grossprojekt als Bauherrin und Investorin des neuen Dienstleistungsgebäudes am Bahnhofplatz. Zwei Drittel der Fläche wird die Bank für ihren Hauptsitz verwenden, der andere Teil wird vermietet.

Dieses Projekt der UKB war im Kanton Uri nicht ganz unbestritten. Die SVP forderte die Abberufung des Bankratspräsidenten und des Vorsitzenden der Geschäftsleitung. Sie reagierte damit einerseits auf die Schliessungen von Bankfilialen und kritisierte anderseits ein "überdimensioniertes Engagement" der UKB am Bahnhof Altdorf mit Investitionen von knapp 50 Millionen Franken. Dies stelle ein "enormes Klumpenrisiko" dar.

"Wir sind seit Langem überzeugt vom hohe Potenzial des Entwicklungsgebiets um den Kantonsbahnhof", betonte UKB-Bankratspräsident Heini Sommer am Spatenstich.

Der Kredit des Kantons in der Höhe von elf Millionen Franken hätte ursprünglich ohne Volksbeschluss bewilligt werden sollen. Weil dagegen eine Beschwerde einging und somit eine Verzögerung drohte, unterstellte der Landrat den Kredit freiwillig einer Volksabstimmung.

Das Stimmvolk von Altdorf hiess den Beitrag an das Projekt von 3,2 Millionen Franken mit grosser Mehrheit an der Urne gut. Die Gemeinde finanziert die geplante Verlängerung der bereits bestehenden Personenunterführung von der Ost- zur Westseite des Bahnhofs.

(sda)


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