Schweizer Firmen ignorieren nötige Anpassungen am Arbeitsplatz


Roman Spirig
Wirtschaft / 12.07.18 11:31

Eine gross Zahl an Schweizer Unternehmen ist laut einer Studie nicht gewillt, für Angestellte notwendige Anpassungen an Arbeitsplätzen vorzunehmen. Doch wenn Angebote wie Homeoffice oder Rückzugsräume am Arbeitsort fehlen, kostet dies Geld und letztlich gute Mitarbeitende, lautet das Fazit einer veröffentlichten Studie des Beratungsunternehmens Deloitte.

Schweizer Firmen ignorieren nötige Anpassungen am Arbeitsplatz  (Foto: KEYSTONE /  / )
Schweizer Firmen ignorieren nötige Anpassungen am Arbeitsplatz (Foto: KEYSTONE / / )

Das Büro der Zukunft müsse flexibel und vernetzt sein, noch seien aber Arbeitsumgebung, technologische Hilfsmittel und vor allem die Unternehmenskultur noch nicht genügend aufeinander abgestimmt, heisst es weiter.

Fixer Arbeitsort und -platz

"Ändert sich die Arbeitswelt, muss sich auch der Arbeitsplatz ändern", erklärt Matthias Thalmann, Personalexperte bei Deloitte Schweiz. Die Bürolandschaft der Zukunft müsse daher auf Flexibilität, Zusammenarbeit und Austausch ausgerichtet sein.

Die Realität ist aber gemäss den rund 1000 befragten Büroangestellten eine andere. Über drei Viertel gaben an, immer noch an einem fixen Arbeitsplatz ihrem Beruf nachzugehen. Deutlich flexibler seien sie hingegen in der Zeiteinteilung. Ebenfalls knapp drei Viertel seien in der Lage ihre Präsenzzeit im Büro weitgehend frei zu gestalten.

Die Möglichkeit von zu Hause aus tätig zu sein bleibt aber eingeschränkt. Nur gut ein Viertel der Befragten arbeitet mehr als einen Tag pro Woche nicht im Büro. Dies schaffe zu wenig Raum, um die Anzahl fixer Arbeitsplätze zu senken. Denn daraus ergäbe sich wiederum die Möglichkeit, spezielle Zonen zum konzentrierten Arbeiten, zum Austausch oder zum Ausruhen anzubieten.

Nötige Anpassungen ignoriert

"Viele Schweizer Unternehmen ignorieren aber notwendige Anpassungen der Arbeitsplatzgestaltung und Arbeitsmodelle", moniert Thalmann. Dadurch gingen Geld und Mitarbeitende verloren. Es sei daher äusserst wichtig unabhängig vom Arbeitsort und -platz ein den Anforderungen entsprechend Arbeitsumfeld bereitzustellen, wenn eine Firma produktive, kreative und motivierte Mitarbeitende wolle.

Um die hohen Anforderungen der jungen Mitarbeitenden nach mehr Flexibilität und den Wunsch nach Sicherheit und Orientierung der älteren Belegschaft unter einen Hut zu bringen, brauche es daher intelligente und strategisch abgestützte Konzepte, heisst es weiter.

Chefs als schlechte Vorbilder

Viele Schweizer Firmen würden aber bei der Umsetzung solcher Konzepte scheitern. Gerade mal 39 Prozent geben an, dass in ihrem Unternehmen Richtlinien für flexibles Arbeiten existieren. Zwar unterstütze mehr als die Hälfte der Vorgesetzten flexible Arbeitszeit, aber nur ein Drittel sei auch für flexible Arbeitsplätze zu haben.

Dabei sei es gerade vor dem Hintergrund einer offenen und modernen Unternehmenskultur wichtig, dass Vorgesetzte flexibles Arbeiten nicht nur unterstützen, sondern auch vorleben, fordern die Studienautoren.

(sda)


Anzeige

Das könnte Sie auch interessieren

Degenkolbs Rückkehr und Portes grosses Pech
Sport

Degenkolbs Rückkehr und Portes grosses Pech

Der Deutsche John Degenkolb gewann in Roubaix die spektakuläre 9. Etappe der Tour de France und feierte nach einer langen Leidenszeit einen emotionalen Triumph. Freud und Leid dagegen bei BMC: Greg van Avermaet bleibt Leader, Richie Porte musste die Tour aufgeben.

Youngster Kramer gegen Innerschweizer Eidgenossen
Schwingen

Youngster Kramer gegen Innerschweizer Eidgenossen

Seit seinem Sieg am Bergkranzfest auf dem Stoos gilt der Freiburger Teenager Lario Kramer als Komet im Schwingen. Am Sonntag kann er sich am Freiburger Kantonalfest in Riaz erneut beweisen.

Vor dem Gotthardtunnel stehen die Fahrzeuge auf über14 Kilometern
Regional

Vor dem Gotthardtunnel stehen die Fahrzeuge auf über14 Kilometern

In der ganzen Schweiz und in Nachbarländern haben am Wochenende die Sommerferien begonnen. Das zeigt sich auf den Strassen: Nördlich des Gotthardtunnels auf der A2 standen die Fahrzeuge am frühen Samstagmorgen auf 14 Kilometern.