Rund jeder fünfte Spieler von Online-Glücksspielen ist süchtig


Roman Spirig
Schweiz / 08.10.19 16:08

Glücksspiele sind weit verbreitet, doch weisen nur wenige Spielerinnen und Spieler in der Schweiz ein risikoreiches oder pathologisches Verhalten auf. Besonders hoch ist der Anteil der Spielsüchtigen bei internationalen Online-Spielen, wie eine neue Studie zeigt.

Rund jeder fünfte Spieler von Online-Glücksspielen ist süchtig (Foto: KEYSTONE / PETER KLAUNZER)
Rund jeder fünfte Spieler von Online-Glücksspielen ist süchtig (Foto: KEYSTONE / PETER KLAUNZER)

Die am Dienstag veröffentlichte Untersuchung bezieht sich auf das Jahr 2017 - also noch vor dem Inkrafttreten des neuen Geldspielgesetzes Anfang 2019. Sie wird ermöglichen, später die Entwicklung mit dem neuen Gesetz beobachten zu können.

Erstellt wurde die Studie im Auftrag der Eidgenössischen Spielbankenkommission (ESBK) und der interkantonalen Lotterie- und Wettkommission (Comlot). Die Ergebnisse zeigten, dass das neue Gesetz an den richtigen Punkten ansetze, sagten Hansjörg Znoj von der ESBK und Manuel Richard von Comlot vor den Medien in Bern.

Das neue Gesetz ermöglicht legale Online-Spiele sowie Netzsperren für nicht zugelassene ausländische Online-Spiele. Diese können zwar mit Tricks umgangen werden. Für viele Spieler zeigten sie dennoch Wirkung, sagte Znoj. Richard wies darauf hin, dass sich zudem diverse ausländische Online-Anbieter wegen des Gesetzes vom Schweizer Markt zurückgezogen hätten.

Gemäss der Studie spielten schon vor den Sperren nur wenige in der Schweiz Glücksspiele bei internationalen Online-Anbietern. Lediglich 2,3 Prozent gaben in der Befragung von 2017 an, in den letzten zwölf Monaten solche Spiele gespielt zu haben. Dieser tiefe Wert habe ihn überrascht, sagte Mitautor Severin Haug vom Schweizer Institut für Sucht- und Gesundheitsforschung (ISGF).

Die Online-Spiele hatten aber gleichzeitig den höchsten Anteil von Spielerinnen und Spielern mit risikoreichem oder pathologischem Verhalten: Rund 22 Prozent der Personen, die solche Spiele spielten, wiesen ein problematisches Verhalten auf.

Insgesamt wiesen im Jahr 2017 2,8 Prozent der befragten Personen ein risikoreiches Spielverhalten auf, 0,2 Prozent ein pathologisches. Dieser Wert ist tiefer als im Jahr 2012.

Risikoreiches oder pathologisches Spielen trat bei Männern, Personen mit einem tieferen Bildungsniveau, Rauchern sowie Personen mit höheren Depressivitätswerten und einer tieferen Kontrollüberzeugung gehäuft auf. Der Anteil der risikoreich Spielenden fällt in der Altersgruppe der 15- bis 24-Jährigen am höchsten aus.

In der Romandie ist ausserdem der Anteil der Spielenden mit risikoreichem oder pathologischem Spielverhalten mit 4,4 Prozent fast doppelt so hoch wie in der Deutschschweiz und im Tessin. Eine Erklärung dafür haben die Studienautoren nicht.

Generell ist das Glücksspiel in der Schweiz verbreitet. Von den rund 19'000 befragten Personen gaben 69 Prozent an, bereits einmal in ihrem Leben an einem Glücksspiel teilgenommen zu haben. Hochgerechnet entspricht dies 4,4 Millionen Personen. Gegenüber dem Jahr 2012 ist dies ein leichter Rückgang. Etwas mehr als die Hälfte der Befragten (55 Prozent) gab an, im Jahr 2017 Glücksspiele gespielt zu haben.

Die bei weitem am häufigsten gespielten Spiele sind jene der Schweizer Lotterien (48,2 Prozent), gefolgt von anderen Glücksspielen wie Tombola oder privaten Spielen (14,3 Prozent), Tischspielen (8,6 Prozent), Automaten und Slot-Maschinen in Schweizer Casinos (6,7 Prozent), Spielhallen im Ausland und ausländische Lotterien (5,7 Prozent) und Schweizer Sportwetten (4,5 Prozent). Die Glücksspiele bei internationalen Online-Anbietern liegen mit 2,3 Prozent also an letzter Stelle.

Die meisten Spielerinnen und Spieler investieren nur kleine Beträge. Rund 44 Prozent gaben an, weniger als 10 Franken pro Monat für das Glücksspiel auszugeben, 39 Prozent zwischen 10 und 99 Franken. Keiner der Befragten gab an, mehr als 10'000 Franken pro Monat ausgegeben zu haben. Bei 0,1 Prozent waren es zwischen 2500 und 9999 Franken pro Monat. Das entspricht hochgerechnet etwa 4600 Personen.

Aus Sicht der ESBK und der Comlot zeigt die Studie, dass die Sozialschutzmassnahmen greifen, für welche die Anbieter zuständig sind. Diese umfassen vor allem die Früherkennung sowie Spielersperren. Im internationalen Vergleich entsprechen die Zahlen aus der Schweiz laut den Verantwortlichen in etwa den Werten anderer Länder.

(sda)


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