Raffainer wechselt die Fronten: HCD-Sportchef statt Nati-Direktor


Roman Spirig
Sport / 11.02.19 16:38

Swiss Ice Hockey und der HC Davos vermeldeten am Montag eine überraschende Personalie: Der Nationalteam-Direktor Raeto Raffainer verlässt den Verband und wechselt als Sportchef zu den Bündnern. Für den Engadiner ist es eine Rückkehr an eine ehemalige Wirkungsstätte.

Raffainer wechselt die Fronten: HCD-Sportchef statt Nati-Direktor  (Foto: KEYSTONE / SALVATORE DI NOLFI)
Raffainer wechselt die Fronten: HCD-Sportchef statt Nati-Direktor (Foto: KEYSTONE / SALVATORE DI NOLFI)

"Ich habe dem Klub sehr viel zu verdanken, jetzt möchte ich etwas zurückgeben", liess sich Raffainer in der Medienmitteilung zitieren. Der Engadiner gehörte als Spieler 1997 zu den ersten Absolventen des Davoser Sportgymnasiums, in der Saison 2000/2001 debütierte er mit dem HCD in der Nationalliga A. Nach 577 Partien auf höchstem Niveau für Davos, die ZSC Lions, Bern, die Rapperswil-Jona Lakers und Ambri-Piotta sowie dem Job als Funktionär für den Verband kehrt Raffainer quasi zu seinen Eishockey-Wurzeln zurück.

Arno Del Curto war beim HCD jahrelang Trainer und Sportchef in Personalunion. Nach dessen Rücktritt übernahm René Müller die Aufgaben neben dem Eis, allerdings nur ad interim. In der sportlichen Führung herrschte ein Vakuum. Mit der Verpflichtung von Raffainer schloss der Klub diese Lücke.

"Ich habe immer gesagt, dass mich das Klub-Eishockey interessiert", sagte Raffainer in einem Interview mit dem TV-Sender MySports. "Nun kam der HCD auf mich zu, und die Challenge nehme ich gerne an", so der 38-Jährige. Er freue sich auf die Aufgabe, auch wenn der HC Davos eine "schwierige und anspruchsvolle Saison" zu bestreiten habe.

Raffainer wird seinen neuen Job spätestens am 1. Oktober antreten. Erst wenn Swiss Ice Hockey einen Nachfolger gefunden hat, wird er die Schlüssel beim Verband abgeben. "In das Tagesgeschäft und in die Planung beim HCD bin ich eigentlich noch gar nicht involviert", so Raffainer gegenüber MySports. Der Bündner geht davon aus, dass er die Schweizer Delegation an der WM im Mai in der Slowakei noch einmal anführen wird.

Der Abgang von Raffainer trifft Swiss Ice Hockey hart und zu einem ungünstigen Zeitpunkt. Denn derzeit befindet sich der Verband auch noch auf der Suche nach einem neuen CEO, nachdem Florian Kohler seinen Posten im November geräumt hat. Nun verlässt - notabene ein Jahr vor der Heim-WM in Zürich und Lausanne - auch der zweitwichtigste Funktionär den Verband.

Verwaltungsrats-Präsident Michael Rindlisbacher jedenfalls bedauert den Wegzug von Raffainer: "Mit Raeto verlieren wir einen höchst kompetenten und sehr engagierten Direktor, der die Entwicklung unserer Nationalteams in den vergangenen vier Jahren sehr positiv und nachhaltig geprägt hat."

Seinen Job beim Verband trat Raffainer 2015 an, ohne Erfahrung und unmittelbar nach dem Ende seiner aktiven Karriere. Rasch erarbeitete er sich aber den Respekt bei den Klubs und im Verband. Zusammen mit Kohler und Trainer Patrick Fischer prägte er in den letzten Jahren die Ära der "Swissness", die auf Kontinuität und Schweizer Werte setzt(e). In Raffainers Zeit fiel nicht nur der Gewinn der zweiten WM-Silbermedaille nach 2013 bei den Männern, sondern auch der Halbfinal-Einzug der U20-Junioren in diesem Winter.

(sda)


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