Nur noch Erstklässler dürfen in Nidwalden so schreiben wie sie sprechen


Roman Spirig
Regional / 08.10.18 19:27

Nidwaldner Schülerinnen und Schüler sollen sattelfester werden in der deutschen Rechtschreibung. Die Bildungsdirektion hat darum die Weisung erlassen, dass wirklich nur noch Erstklässler so schreiben dürfen, wie sie sprechen. Danach müssen die Lehrerinnen und Lehrer die Wörter nach den Rechtschreiberegeln korrigieren.

Nur noch Erstklässler dürfen in Nidwalden so schreiben wie sie sprechen  (Foto: KEYSTONE / GAETAN BALLY)
Nur noch Erstklässler dürfen in Nidwalden so schreiben wie sie sprechen (Foto: KEYSTONE / GAETAN BALLY)

Die sogenannte lautgetreue Schreibweise wird in Nidwalden im Erstschreibeunterricht seit Jahren angewendet. Die Kinder lernen die Laute eines Wortes einzeln auszusprechen, sie mit Hilfe einer Buchstabentabelle zuzuordnen und diese aneinanderzureihen. Diese Methode entspricht auch dem Lehrplan 21.

Mit dem lautgetreuen Schreiben müsste im Kanton Nidwalden eigentlich schon heute nach der ersten Klasse Schluss sein, wie es auf Anfrage bei der Bildungsdirektion hiess. In der Praxis werde aber je nach Voraussetzung der einzelnen Kinder früher oder später mit dem Vermitteln von Rechtschreiberegeln begonnen, wie aus einer Medienmitteilung der Bildungsdirektion vom Montag hervorgeht.

Diese unterschiedliche Handhabung missfällt der Behörde offenbar. So hält sie in einer verbindlichen Weisung an die Lehrerinnen und Lehrer fest, dass das lautgetreue Schreiben auf die erste Klasse zu beschränken sei. Spätestens ab der zweiten Klassen seien die Rechtschreibenormen zu vermitteln. Dabei sollen individuelle Lernvoraussetzungen der Kinder berücksichtigt werden.

Zudem seien die zusätzlich gesprochenen Deutschlektionen "explizit für das Üben und Vertiefen der Rechtschreibe- und Lesekompetenzen" zu nutzten. Und diese Kompetenzen sollen fächerübergreifend während der gesamten obligatorischen Schulzeit gefördert werden.

Als Grund für diese neue Weisung nennt die Bildungsdirektion die Tatsache, dass sie in den vergangenen Jahren verschiedentlich auf teilweise ungenügende Rechtschreibekenntnisse von Lernenden und Schulabgängern hingewiesen worden sei. Daraufhin liess sie einen Bericht erstellen, der untersuchte, ob das lautgetreue Schreiben mitverantwortlich sei für die Problematik.

Aus dem Bericht geht nun hervor, dass sich das lautgetreue Schreiben für fremdsprachige Kinder und solche aus bildungsfernen Elternhäusern eher als hinderlich erweise, während Legastheniker davon profitierten, heisst es weiter.

Die Methode des lautgetreuen Schreibens sei grundsätzlich unproblematisch, solange sie in einer zeitlich begrenzen Anfangsphase angewendet werde, hält die Bildungsdirektion fest. Werde die Phase verlängert, könnten sich schnell negative Auswirkungen ergeben.

Vor diesem Hintergrund und auch im Bemühen darum, die Rechtschreibekompetenzen der Nidwaldner Schülerinnen und Schüler zu verbessern, erliess die Bildungsdirektion diese Weisungen, wie sie festhält.

(sda)


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