Norweger nach "versuchtem Terrorakt" auf Moschee bei Oslo in Haft


Roman Spirig
International / 11.08.19 16:39

In einem Vorort von Oslo hat ein offenbar rechtsextrem und ausländerfeindlich motivierter junger Norweger am Samstag schwer bewaffnet einen Angriff auf eine Moschee verübt. Die Polizei sprach nach ersten Ermittlungen am Sonntag von einem "versuchten Terroranschlag".

Norweger nach versuchtem Terrorakt auf Moschee bei Oslo in Haft (Foto: KEYSTONE / EPA / TERJE PEDERSEN)
Norweger nach versuchtem Terrorakt auf Moschee bei Oslo in Haft (Foto: KEYSTONE / EPA / TERJE PEDERSEN)

Der etwa 20-jährige gebürtige Norweger war laut Zeugen mit zwei Schrotflinten und einer Pistole bewaffnet in die Al-Nur-Moschee in Baerum bei Oslo eingedrungen. Dort hielten sich zu dem Zeitpunkt noch drei Gläubige zum Gebet auf.

Zwei der Männer seien sofort in Deckung gesprungen, doch ein rund 70 Jahre alter Mann habe den Angreifer überwältigt, sagte der Moschee-Vorstand dem Sender TV2. Im Gerangel seien Schüsse gefallen. Der mutmassliche Täter und der Mann, der ihn überwältigte, seien leicht verletzt worden, sagte Polizeisprecher Rune Skjold auf einer Pressekonferenz in der Nacht zum Sonntag.

Der Festgenommene verweigerte zunächst die Aussage. In seiner Wohnung, die sich in der Nähe der Al-Nur-Moschee befindet, fand die Polizei wenige Stunden nach der Attacke die Leiche einer Frau. Es handle sich um die 17 Jahre alte Tochter seiner Stiefmutter, teilte die Polizei mit. Sie leitete ein Ermittlungsverfahren wegen Mordes ein.

"Die Ermittlungen haben ergeben, dass der Täter rechtsextremistische Ansichten hatte", sagte Polizeisprecher Skjold am Sonntag. Der Mann habe Sympathie für den norwegischen Politiker Vidkun Quisling (1887-1945) zum Ausdruck gebracht, der im Zweiten Weltkrieg eine von den deutschen Besatzern abhängige Regierung führte und dessen Name zum Synonym für Kollaborateure wurde. Der Festgenommene habe auch eine feindselige Haltung gegen Einwanderer.

Laut Medienberichten hatte der Mann sich vor der Tat lobend über den Terroranschlag auf zwei Moscheen im neuseeländischen Christchurch geäussert, bei dem ein Rechtsextremist im März 51 Menschen erschossen und weitere 50 verletzt hatte.

Die Polizei kündigte nach dem Angriff an, erhöhte Präsenz vor anderen Moscheen des Landes zu zeigen. Es seien aber keine "konkreten Drohungen" bekannt, teilte die nationale Polizeiführung am Sonntag mit.

Der Angreifer hatte den Berichten zufolge eine Schutzweste, schwarze Kleidung und Knieschützer getragen. Die Umstände des Angriffs legen nahe, dass er in der Moschee ein grösseres Blutvergiessen plante.

Für mehr als eine Milliarde Muslime weltweit begann am Sonntag das Opferfest Eid al-Adha, das wichtigste Fest überhaupt im Islam. Norwegens Ministerpräsidentin Erna Solberg besuchte Mitglieder der Gemeinde in Baerum, die sich zum Feiern in einem Hotel versammelt hatten. "Was passiert ist, ist etwas, das in Norwegen nicht passieren sollte. Norwegen ist ein sicherer Ort", sagte Solberg.

Der Angriff auf die Moschee sei ein "direkter Angriff auf die norwegischen Muslime" und auf die "Religionsfreiheit", so Solberg. In Norwegen leben laut amtlichen Schätzungen rund 200'000 Muslime, In Oslo versammelten sich mehrere Dutzend Menschen vor dem Islamische Kulturzentrum, um ihre Unterstützung für die Glaubensgemeinschaft zum Ausdruck zu bringen.

Der Angriff auf die Moschee bei Oslo weckte in Norwegen Erinnerungen an die Bluttaten des Rechtsextremen Anders Behring Breivik, der im Juli 2011 insgesamt 77 Menschen tötete, davon acht bei einem Bombenanschlag in Oslo und weitere 69 auf der Insel Utøya, wo er zumeist Jugendliche erschoss. Der Attentäter von Christchurch hatte sich in einem hasserfüllten Bekennerschreiben auf die Ansichten anderer Rechtsextremer einschliesslich Breivik berufen.

(sda)


Anzeige

Das könnte Sie auch interessieren

Gang 4: Orlik, Stucki, Wicki, Bieri schaffen perfekten Tag 1
Schwingen

Gang 4: Orlik, Stucki, Wicki, Bieri schaffen perfekten Tag 1

Nachdem Pirmin Reichmuth und Samuel Giger haben abreissen lassen, bleiben drei der grossen Favoriten am Eidgenössischen Schwingfest in Zug nach dem ersten Tag makellos. Joel Wicki, Armon Orlik, Marcel Bieri und Christian Stucki gewinnen alle vier Gänge.

Zweifel an internen Abläufen - SBB muss Zugtüren ersetzen
Schweiz

Zweifel an internen Abläufen - SBB muss Zugtüren ersetzen

Anfang August war ein SBB-Zugbegleiter wegen einer defekten Türsteuerung tödlich verletzt worden. Nun reagiert der Bund: Er verpflichtet die SBB, für das sichere Funktionieren der Türen zu sorgen. Zudem muss das Unternehmen seine Abläufe unter die Lupe nehmen lassen.

Die Einteiler am ESAF: Ringen ums Schwingen -  hinter verschlossenen Türen
Schwingen

Die Einteiler am ESAF: Ringen ums Schwingen - hinter verschlossenen Türen

Samuel Feller ist alleine verantwortlich für die Einteilung des ersten Gangs am Schwingfest. Die Paarungen der Gänge zwei bis acht teilt ein Gremium mit Vertretern aus allen Teilverbänden ein - unter Fellers Leitung. Nicht immer diskussionslos.

Stress am Arbeitsplatz hat zugenommen
Regional

Stress am Arbeitsplatz hat zugenommen

Immer mehr Erwerbstätige leiden unter Stress an ihrem Arbeitsplatz: In der Schweizerischen Gesundheitsbefragung 2017 gaben 21 Prozent der Befragten an, bei der Arbeit immer oder meistens unter Stress zu stehen. Vor fünf Jahren waren es noch 18 Prozent gewesen.