Mutig, aber zu fehlerhaft


Roman Spirig
Sport / 07.11.18 21:20

Die Young Boys verloren in ihrem vierten Champions-League-Spiel zum dritten Mal. Nach dem 1:3 in Valencia sind die Chancen auf ein Weiterkommen nur noch minimal.

Mutig, aber zu fehlerhaft  (Foto: KEYSTONE / ANTHONY ANEX)
Mutig, aber zu fehlerhaft (Foto: KEYSTONE / ANTHONY ANEX)

Das Hinspiel gegen Valencia mit dem überzeugenden 1:1 hatte den Young Boys Hoffnung und Appetit auf mehr gemacht. Die Berner traten im Estadio Mestalla dementsprechend auf. Sie versteckten sich nicht, versuchten nicht, mit einer annehmbaren Leistung ein anständiges Resultate zu erzielen, sondern spielten auf Sieg und gingen die dafür nötigen Risiken ein. Sie taten das, was ihnen Gerardo Seoane aufgetragen hatte: im Vorwärtsgang verteidigen und bei Balleroberung rasch Richtung gegnerisches Tor stürmen.

Was richtig angedacht war, blieb in der Ausführung zu fehlerhaft. Nur selten kam der Schweizer Meister rasch und überraschend vor das gegnerische Tor, wie beim 1:1 in der 37. Minute, als Roger Assalé im Strafraum freistehend zum erfolgreichen Schuss ansetzen konnte. Später hatten auch noch Nicolas Moumi Ngamaleu und Guillaume Hoarau Möglichkeiten. Doch es war zu wenig, um die defensive Unzulänglichkeiten zu kompensieren, die Valencia zu den Toren von Santi Mina (14. und 37.) und Carlos Soler (56.) nutzte. Dass mit Sékou Sanogo auch noch ein Berner die Rote Karte sah, passte zum missglückten Abend.

Fast nach jedem Fehlpass oder Fehler der Berner fand Valencia Raum im Mittelfeld vor. Oft kamen die Spanier mit gefährlich viel Tempo und viel Personal in die Nähe der YB-Strafraums. In der 14. Minute unterlief Steve von Bergen einen Pass, den Rodrigo zu Carlos Soler weiterleitete. Soler traf mit seinem Heber zwar nur den Pfosten, die unsortierte YB-Abwehr konnte aber den Nachschuss von Santi Mina nicht verhindern. Auch beim 2:1 der Gastgeber stimmte die Zuordnung nicht. Der 22-jährige frühere spanische Junioren-Internationale Santi konnte eine Flanke von Soler völlig freistehend im Strafraum an Goalie David von Ballmoos vorbei lenken. Vor dem dritten Gegentreffer durch den starken Soler löste sich Valencia geschickt aus dem Pressing.

Den Young Boys wurde das hohe Tempo, dass sie gingen, die Intensität, die sie ins Spiel brachten, zum Verhängnis. Zu oft stimmte das Timing nicht - beim Pass oder im Zweikampf, zu selten brachten sie ihre geballte Offensivkraft gefährlich in den Strafraum. Moumi Ngamaleu kurz vor und Hoarau kurz nach der Pause hatten die besten Berner Möglichkeiten nach dem zweiten Treffer von Valencia. Beide verfehlten mit ihren Abschlüssen das Tor.

Moumi Ngamaleu durfte überraschend anstelle von Miralem Sulejmani von Beginn weg spielen. Der Kameruner, der Schnelligkeit hätte bringen sollen, fiel aber vor allem mit seinen Problemen in der Defensive auf. Er wurde stark rot gefährdet zur Pause durch Sulejmani ersetzt. Den Platzverweis sah dafür Sanogo in der 77. Minute für sein hartes Einsteigen gegen Francis Coquelin. Die Young Boys sahen zudem fünfmal Gelb.

Auch wenn der rumänische Referee seine Mühe mit der Leitung der Partie hatte und nicht immer richtig entschied, geben die vielen Karten einen Einblick in die Mühen der Young Boys. Immer wieder mussten sie sich vor rund 1200 mitgereisten Fans illegaler Mittel bedienen, um Valencia zu stoppen. Für die Gastgeber, die erst ihren dritten Saisonsieg feierten und den ersten daheim seit Mai, war der Match ideal. Sie profitierten von den Risiken, die YB einging, und erzielten erstmals überhaupt in dieser Saison drei Treffer.

Für die Berner dürfte in dieser Champions-League-Saison nur der letzte Gruppenplatz bleiben. Es warten aber auf jeden Fall noch zwei Herausforderungen: am Dienstag, 27. November, bei Manchester United und am Mittwoch, 12. Dezember, daheim gegen Juventus Turin.

(sda)


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