Meister Federer souverän, Lehrling Bencic am Limit


Roman Spirig
Regional / 09.07.18 22:31

Roger Federer wie üblich im Viertelfinal, Belinda Bencic gegen die ehemalige Nummer 1 Angelique Kerber ausgeschieden, aber dennoch einigermassen zufrieden. Der "Manic Monday" brachte kaum Überraschungen.

Meister Federer souverän, Lehrling Bencic am Limit  (Foto: KEYSTONE / AP / Tim Ireland)
Meister Federer souverän, Lehrling Bencic am Limit (Foto: KEYSTONE / AP / Tim Ireland)

Das Traumszenario aus Schweizer Sicht hätte so ausgesehen: Im gleichen Moment wie Roger Federer auf dem Centre Court seinen Matchball verwertet, zieht Belinda Bencic gut 100 Meter entfernt auf dem Court 1 erstmals in die Viertelfinals ein. Während der achtfache Champion seinen Teil völlig diskussionslos erfüllte, wurde die 15 Jahre jüngere Ostschweizerin für eine starke Leistung sehr dürftig belohnt.

Bencic bezahlte am Ende ein wenig den Preis für die Verletzungen der letzten Monate, ja fast Jahre. Es fehlte ihr die Selbstverständlichkeit auf diesem Niveau, während Angelique Kerber den Grossteil der wichtigen Punkte gewann. Im ersten Satz führte Bencic 3:1, ehe sie fünf Games in Folge verlor. Allerdings hatte sie sowohl einen Breakball für eine 4:3-Führung als auch Spielbälle zum 4:4-Ausgleich. Im zweiten Durchgang kam die 21-jährige Schweizerin beim Stand von 5:4 und eigenem Aufschlag zu vier Satzbällen, konnte aber keinen nutzen. Besser machte es die Deutsche, die 2016 im Wimbledonfinal gestanden und das Jahr als Nummer 1 abgeschlossen hatte. Sie nutzte nach 1:48 Stunden ihren ersten Matchball zum 6:3, 7:6 (7:5) und ist nach dem Ausscheiden der Nummern 1 bis 10 der Setzliste als Nummer 11 die höchstklassierte Spielerin im Frauentableau.

Zwei Minuten zuvor hatte Roger Federer seinen 6:0, 7:5, 6:4-Sieg gegen den französischen Linkshänder Adrian Mannarino, die Nummer 26 der Welt, ins Trockene gebracht. Er gewann in Wimbledon seine Sätze Nummer 30 bis 32 in Folge und näherte sich damit bis auf zwei seiner Bestmarke aus den Jahren 2005 und 2006. Seinen Aufschlag hat er seit dem Halbfinal im letzten Jahr gegen Tomas Berdych nun in 81 Games hintereinander nicht mehr abgegeben. Immerhin musste Federer gegen den Linkshänder erstmals in diesem Jahr vier Breakchancen abwehren.

Das Spiel gab wenig zu diskutieren, sodass der 36-jährige Basler im Anschluss mehr über die unglückliche Situation Auskunft geben musste, dass sich am Sonntag, der Wimbledonfinal (Beginn 15.00 Uhr Schweizer Zeit) und der Final der Fussball-WM (Beginn 17.00 Uhr), möglicherweise mit England, überschneiden könnten. Federer meinte lachend: "Der Final wird auf jeden Fall stattfinden, ob mit oder ohne mich. Und auch der WM-Final. Ich mache mir eher Sorgen, dass die Leute in Moskau nur auf Wimbledon schauen, jeden Punkt verfolgen und die Fussballer auf dem Feld nicht wissen was los ist." So wichtig sei für ihn und die Tenniswelt jedenfalls der Wimbledonfinal. Ernsthafter fügte er hinzu, er sehe da kein Problem.

Anspruchsvoller könnten nun aber die Gegner werden. Im Viertelfinal am Mittwoch steht Federer mit dem als Nummer 8 gesetzten US-Open-Finalisten Kevin Anderson erstmals ein Top-Ten-Spieler im Weg. Der 2,03 m grosse Südafrikaner steht in Wimbledon im zehnten Anlauf erstmals in der Runde der letzten acht, Federer schaffte dies zum 16. Mal und baute damit seinen Rekord weiter aus. Auch hat er gegen Anderson in vier Spielen noch nie einen Satz verloren.

Für Belinda Bencic ist zwar das Turnier zu Ende, nicht aber die Arbeit. Die Ostschweizerin zeigte sich enttäuscht, aber auch kämpferisch. "Ich bin heute an meinem Limit angelangt", erklärte sie nach der Niederlage gegen Kerber. "Aber ich will dieses Limit weiter verschieben und brauche mehr solcher Matches", sagte die ehemalige Nummer 7 der Welt. Sie war aber auch realistisch: "Hätte man mir vor dem Turnier die 4. Runde angeboten, hätte ich das gerne genommen." Letztmals hatte sie am Australian Open vor zweieinhalb Jahren einen Grand-Slam-Achtelfinal erreicht.

Bencic wird sich nun ein paar freie Tage gönnen und dann früh nach Nordamerika reisen, um sich auf die Hartplatzsaison einzustimmen. Sie wird in Washington starten und dann, Stand jetzt, in Montreal und Cincinnati die Qualifikation bestreiten. Der Umweg über die Qualifikation wird in Zukunft nicht mehr nötig sein. Nach Wimbledon verbessert sie sich in die ersten 45 der Weltrangliste.

(sda)


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