Mandzukic schiesst Kroatien in WM-Final


Roman Spirig
Sport / 12.07.18 10:20

Kroatien steht erstmals in einem WM-Final. Das Team mit dem schweizerisch-kroatischen Doppelbürger Ivan Rakitic drehte im zweiten Halbfinal gegen England nach einem frühen Rückstand die Partie und siegte dank einem Treffer von Mario Mandzukic in der Verlängerung 2:1.

Mandzukic schiesst Kroatien in WM-Final  (Foto: KEYSTONE / EPA / STR)
Mandzukic schiesst Kroatien in WM-Final (Foto: KEYSTONE / EPA / STR)

In der Nachspielzeit der ersten Halbzeit der Verlängerung war Mario Mandzukic noch an Jordan Pickford gescheitert, drei Minuten nach Wiederanpfiff war der englische Keeper gegen den Abschlussversuch des Stürmers von Juventus Turin dann aber machtlos. Mit seinem zweiten Treffer an diesem Turnier entschied Mandzukic die Partie im Luschniki-Stadion in Moskau, die in der letzten halben Stunde der regulären Spielzeit und in der Verlängerung viel Spektakel geboten hatte.

Die Engländer hatten einen heroischen Kampf geliefert, hatte sich ihnen in der Verlängerung doch zuerst die Chance geboten, in Führung zu gehen. Den Kopfball von John Stones wehrte Sime Vrsaljko auf der Linie ab (99.), zehn Minuten später war es ausgerechnet Jones, der auf der Gegenseite gegen Mandzukic zu spät kam.

Entscheidenden Anteil am Treffer hatte auch Ivan Perisic, der beste Kroate an diesem Abend. Der Flügel von Inter Mailand bereitete den Siegtreffer mit einem gewonnenen Kopfballduell vor, nachdem er Kroatien mit dem Ausgleich in der 68. Minute in die Verlängerung gerettet hatte.

Wie gegen Dänemark und Russland hatten sich die Kroaten lange schwer getan, die Souveränität und der spielerisch Esprit aus der Vorrunde fehlte der Mannschaft von Zlatko Dalic auch gegen England über weite Strecken. Luka Modric und Ivan Rakitic, die spielstarke Zentrale, bekam zwar nach dem anfänglichen Schock die Partie zwar immer besser in den Griff, klare Chancen erarbeiteten sich die Kroaten aber nicht.

So kam der Ausgleich nach 68 Minuten ohne Ankündigung, löste aber den Knoten im Spiel der Kroaten. Vrsaljko hatte geflankt, Perisic war mit der Fussspitze schneller am Ball als Kyle Walker und traf zum 1:1. Der Treffer zeigte Wirkung bei der jungen englischen Mannschaft. Plötzlich kam die zuvor so sicher stehende und cool agierende Defensive ins Wanken. Bis zum Schluss sollte sie sich von diesem Nackenschlag nicht mehr erholen. Vier Minuten nach dem 1:1 doppelte Perisic beinahe nach, als er nach einem einfachen Ballverlust der Engländer nur den Innenpfosten traf. In der 84. Minute hatte Perisic den Siegtreffer noch einmal auf dem Fuss.

Für die junge Mannschaft von Gareth Southgate war zuvor lange alles nach Plan verlaufen. Bereits nach fünf Minuten lag sie in Führung. Modric hatte Dele Alli gefoult, Kieran Trippier, eine der Entdeckungen an diesem Turnier, zirkelte den Ball aus 20 Metern gekonnt über die Mauer und liess Danijel Subasic keine Chance. Der neunte englische Treffer nach einer Standardsituation war das viertschnellste Tor in einem WM-Halbfinal, der schnellste seit dem Brasilianer Vava vor 60 Jahren gegen Frankreich.

Mit der Führung im Rücken trat England selbstbewusst auf und hätte noch vor der Pause die Vorentscheidung herbeiführen können. Nach einem Traumpass von Jesse Lingard scheiterte Harry Kane zuerst an Subasic und dann aus spitzem Winkel am Pfosten (30.). Sechs Minuten später verzog Lingard aus aussichtsreicher Position.

Da das 2:0 aber nicht fiel, fanden die Kroaten auch im dritten K.o.-Spiel nach einem Rückstand nochmals einen Weg zurück in die Partie, wobei sie gegen Dänemark und Russland erst im Penaltyschiessen gewannen. Im Gegensatz zur Generation um den heutigen Verbandspräsidenten Davor Suker, die 1998 im Halbfinal gegen Frankreich verlor, schaffte nun die Generation um Captain Modric den erstmaligen Einzug in einen WM-Final. Es war wohl die letzten Chance für diese Mannschaft, sind doch Subasic, Modric, Rakitic und Mandzukic schon über 30 Jahre alt - und sie hat sie gepackt. Am Sonntag bietet sich den Kroaten nun die Chance Revanche zu nehmen für die 1:2-Niederlage vor 20 Jahren. Damals hatte Frankreichs Lilian Thuram mit zwei Treffern das Duell entschieden.

Das englische Warten auf den ersten WM-Final seit 1966 geht hingegen weiter. Die "Three Lions" können aber erhobenen Hauptes Russland verlassen, gehörten sie doch zu den positiven Überraschungen des Turniers. Und dem Team gehört die Zukunft. Mit Ausnahme von Ashley Young ist keiner der englischen Stammelf an dieser Endrunde älter als 28. Welches Potenzial in dieser Mannschaft steckt, wird man wohl erst an der EM 2020 und an der WM 2022 wirklich erfahren.

(sda)


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