Macron nennt Nazi-Kollaborateur Pétain einen "grossen Soldaten"


Roman Spirig
Regional / 07.11.18 16:32

Frankreichs Präsident Emmanuel Macron hat den Nazi-Kollaborateur Philippe Pétain als "grossen Soldaten" des Ersten Weltkriegs bezeichnet. "Ich erkenne die Rolle an, die unsere Marschälle und unsere Armee gespielt haben", sagte Macron am Mittwoch im ostfranzösischen Charleville-Mézières.

Macron nennt Nazi-Kollaborateur Pétain einen grossen Soldaten  (Foto: KEYSTONE / AP / Ludovic Marin)
Macron nennt Nazi-Kollaborateur Pétain einen grossen Soldaten (Foto: KEYSTONE / AP / Ludovic Marin)

"Wir verdanken ihr den Sieg." Im Zweiten Weltkrieg habe Pétain zwar "unheilvolle Entscheidungen getroffen", betonte Macron. Dies ändere aber nichts an seinen Verdiensten für Frankreich.

Der französische Staatschef verteidigte damit eine Ehrung für Pétain und sieben andere Marschälle am Samstag im Pariser Invalidendom anlässlich des Waffenstillstands vor hundert Jahren.

Der 1856 geborene General Pétain wurde lange als "Held von Verdun" gefeiert, weil er die Stadt 1916 in einer monatelangen Schlacht gegen die Deutschen verteidigte. Danach wurde er zum Kommandanten der französischen Nordarmee ernannt und fügte den Deutschen zusammen mit Marschall Ferdinand Foch 1918 die entscheidende Niederlage zu.

Nach dem deutschen Einmarsch in Frankreich 1940 arbeitete Pétain mit den Nazis zusammen und wurde Regierungschef im unbesetzten Teil Frankreichs. Er war Kopf des sogenannten Vichy-Regimes, das bis 1944 mit den Nazis kollaborierte.

Pétain war massgeblich für die Deportation der französischen Juden mit verantwortlich. Er wurde nach Kriegsende 1945 wegen Hochverrats in Frankreich zum Tode verurteilt, dies wurde jedoch in eine lebenslange Haftstrafe umgewandelt. Pétain starb 1951 mit 95 Jahren.

Macron sagte mit Blick auf das Vichy-Regime: "Ich verschleiere kein Kapitel der Geschichte." Aber die politische und menschliche Wirklichkeit sei "manchmal komplexer als man glauben mag".

(sda)


Anzeige
Anzeige

Das könnte Sie auch interessieren

Uri erhält ein universitäres Forschungsinstitut
Regional

Uri erhält ein universitäres Forschungsinstitut

Der Kanton Uri erhält ein universitäres Forschungsinstitut. Das Institut mit dem Namen "Kulturen der Alpen" wird in Zusammenarbeit mit der Universität Luzern geführt. Sein Betrieb ist vorerst auf die Jahre 2019 bis 2022 beschränkt.

Feuer im Dachgeschoss des Hotels Schaanerhof ausgebrochen
International

Feuer im Dachgeschoss des Hotels Schaanerhof ausgebrochen

Im Hotel Schaanerhof in Schaan FL ist heute Dienstagnachmittag ein Feuer ausgebrochen. Personen wurden keine verletzt. Angaben zur Brandursache und zur Höhe des Sachschadens liegen noch nicht vor. Entsprechende Ermittlungen wurden aufgenommen.

Er soll versucht haben Roman Bürki und Co. zu töten - Anklage beantragt lebenslange Haft wegen Anschlags auf BVB-Bus
Sport

Er soll versucht haben Roman Bürki und Co. zu töten - Anklage beantragt lebenslange Haft wegen Anschlags auf BVB-Bus

Rund eineinhalb Jahre nach dem Sprengstoffanschlag auf den Mannschaftsbus von Borussia Dortmund hat die Staatsanwaltschaft lebenslange Haft für den mutmasslichen Attentäter gefordert.

Bitcoin fällt zeitweise unter 5'000 Dollar
Wirtschaft

Bitcoin fällt zeitweise unter 5'000 Dollar

Der Preis des Bitcoins ist seit Tagen unter Druck. Zu Wochenbeginn fällt die "Krypto-Leitwährung" zeitweise unter die 5'000 Dollar-Marke. Viele Marktbeobachter sehen das letzte Woche vollzogene Netzwerk-Update beim "kleinen Bruder" Bitcoin Cash als Auslöser für die Talfahrt.