Krankenkassenprämien steigen 2019 weniger happig


Roman Spirig
Schweiz / 12.07.18 12:00

Kleiner Lichtblick für Prämienzahler: Die Krankenkassen dürften 2019 mit rund drei Prozent etwas weniger stark aufschlagen als in den Vorjahren. Grund ist das gedämpfte Wachstum der Gesundheitskosten.

Krankenkassenprämien steigen 2019 weniger happig
Krankenkassenprämien steigen 2019 weniger happig

Letztes Jahr stiegen die Leistungen in der obligatorischen Krankenpflegeversicherungen (OKP) um 1,7 Prozent pro Person, von 3788 auf 3851 Franken, wie Santésuisse am Donnerstag mitteilte. Im langjährigen Durchschnitt betrug der Anstieg das Dreifache.

Für 2018 rechnet der Krankenkassen-Dachverband trotz grossen Unsicherheiten derzeit mit einem Pro-Kopf-Wachstum von etwa drei Prozent. In dieser Grössenordnung dürfte sich auch der Aufschlag der Erwachsenenprämien bewegen. In den letzten Jahren lag dieser stets bei rund 4 Prozent.

Zum moderaten Wachstum im Jahr 2017 trug vor allem der stationäre Spitalbereich mit einem Rückgang um 3,1 Prozent pro Kopf bei. Dämpfend wirkte sich laut Santésuisse neben leicht sinkenden Fallpreisen vor allem die Anpassung der Kostenbeteiligung der Kantone auf mindestens 55 Prozent aus.

Es handelt sich denn auch nicht um echte Einsparungen, wie Santésuisse-Direktorin Verena Nold gegenüber Radio SRF erläuterte. "Es hat einfach Kostenverlagerungen gegeben - weg von den Prämienzahlern zu den Kantonen, also den Steuerzahlern", sagte Nold.

Im ambulanten Sektor nahmen die Kosten zu, bei den Spitälern um 4,1 Prozent, bei den Arztbehandlungen um 2,6 Prozent. Diese Entwicklung ist gemäss Santésuisse ebenfalls von Verlagerungseffekten geprägt. Im Spitalbereich gehe der Trend zur ambulanten Behandlung voll zu Lasten der Prämienzahler, da die Kantone keinen Beitrag an die ambulanten Kosten leisten müssten.

Die Medikamentenkosten pro versicherte Person erhöhten sich um 5,7 Prozent. Die Preisüberprüfungen durch das Bundesamt für Gesundheit (BAG), die sich mässigend auf die Kostenentwicklung auswirken können, werden erst per Ende 2017 wieder aufgenommen. Zudem bleibt der Generikaanteil nach Meinung des Verbands im internationalen Vergleich zu tief.

Gute Nachrichten gibt es für einmal besonders für Familien. Nach der Prämienexplosion der letzten Jahre hat das Parlament eine Entlastung speziell für junge Erwachsene zwischen 19 und 25 Jahren beschlossen. Für diese Gruppe sinkt die Abgabe in den Risikoausgleich, was den Kassen zusätzliche Rabatte ermöglicht. Die Prämien könnten damit um rund 100 Franken monatlich gesenkt werden.

(sda)


Anzeige
Anzeige

Das könnte Sie auch interessieren

Auto streift Velo in Küssnacht beim Überholen und fährt davon
Regional

Auto streift Velo in Küssnacht beim Überholen und fährt davon

Leicht verletzt hat sich am Donnerstag eine 66-jährige Velofahrerin bei einem Unfall in Küssnacht. Sie wurde von einem Auto überholt, das sie streifte und zu Fall brachte. Der Fahrzeuglenker setzte seine Fahrt fort, ohne anzuhalten.

Ammann und Peier verzichten auf Training - Ammann in Innsbruck sehr zuversichtlich
Sport

Ammann und Peier verzichten auf Training - Ammann in Innsbruck sehr zuversichtlich

Am zweiten Trainingstag verzichteten die beiden Schweizer Simon Ammann und Killian Peier wie einige der Sieganwärter auf Sprünge von der Bergisel-Schanze. Warum Simon Ammann in Innsbruck sehr zuversichtlich ist, erklärt er im Video-Interview.

Papst eröffnet  im Vatikan Krisengipfel zu sexuellem Missbrauch
International

Papst eröffnet im Vatikan Krisengipfel zu sexuellem Missbrauch

Auf Einladung von Papst Franziskus beraten die katholischen Bischöfe seit Donnerstagmorgen über Konsequenzen aus den Missbrauchsskandalen der katholischen Kirche. Der Papst verlangte zum Auftakt des Treffens "konkrete Massnahmen" gegen Missbrauch.

Vierfachmörder von Rupperswil will Therapie vor Bundesgericht durchsetzen
Schweiz

Vierfachmörder von Rupperswil will Therapie vor Bundesgericht durchsetzen

Der Vierfachmord von Rupperswil wird nun auch das Bundesgericht beschäftigten. Der vor zwei Monaten vom Aargauer Obergericht verurteilte Mörder verzichtet zwar darauf, die ordentliche Verwahrung anzufechten. Er verlangt eine ambulante, vollzugsbegleitende Massnahme.