Heftige Unwetter in Südeuropa - weitere Tote auf Mallorca entdeckt


Roman Spirig
International / 11.10.18 18:29

Verheerende Unwetter mit Starkregen haben in mehreren südeuropäischen Ländern Todesopfer gefordert und massive Sachschäden angerichtet. Besonders schwer betroffen ist Mallorca, wo am Donnerstag zwei weitere Leichen entdeckt wurden.

Heftige Unwetter in Südeuropa - weitere Tote auf Mallorca entdeckt  (Foto: KEYSTONE / AP / FRANCISCO UBILLA)
Heftige Unwetter in Südeuropa - weitere Tote auf Mallorca entdeckt (Foto: KEYSTONE / AP / FRANCISCO UBILLA)
(Foto: KEYSTONE / EPA / ATIENZA)
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(Foto: KEYSTONE / EPA / LLITERES)
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Damit ist die Zahl der Toten auf der Insel auf zwölf gestiegen. Möglicherweise handelt es sich bei den Opfern - einem Mann und einer Frau - um ein deutsches Ehepaar, nachdem seit Mittwoch gesucht wurde.

Die Toten seien in der Nähe des Fahrzeugs der Deutschen entdeckt worden, das auf der Strecke zwischen den Orten Artà und Canyamel leer aufgefunden worden war, teilte der mallorquinische Notdienst auf Twitter mit. In einem verlassenen Auto fanden die Rettungskräfte deutsche Ausweisdokumente, wie ein Sprecher der Zentralregierung mitteilte.

Das Auswärtige Amt hatte zuvor bestätigt, dass auf der spanischen Urlaubsinsel zwei Deutsche vermisst würden und teilte mit, das Konsulat in der Hauptstadt Palma stehe in engem Kontakt mit den örtlichen Behörden.

Heftiger Regen hatte am Dienstagabend den Nordosten der spanischen Insel heimgesucht. Binnen weniger Stunden fielen rund 220 Liter Regen pro Quadratmeter, Häuser wurden geflutet, Autos weggespült. Die Ortschaften Betlem und Colònia de Sant Pere seien weitgehend von der Aussenwelt abgeschnitten, berichtete das "Mallorca Magazin".

Ein fünfjähriges Kind wurde weiter vermisst. Der Fünfjährige, seine Mutter und seine Schwester wurden im Auto von den Fluten überrascht. Örtlichen Medien zufolge konnte die Frau noch ihre Tochter retten, bevor sie vom Wasser mitgerissen wurde; von dem Knaben fehlte zunächst jede Spur. Nach Angaben von Balearen-Präsidentin Francina Armengol beteiligten sich rund 800 Einsatzkräfte an der Suche nach dem Knaben.

Bei den anderen auf Mallorca geborgenen Toten handle es sich um sechs Männer und vier Frauen, schrieb der mallorquinische Notdienst auf Twitter.

Drei der Opfer seien Ausländer - ein Paar aus Grossbritannien und eine Holländerin. Das ältere britische Paar wurde in einem Taxi auf dem Weg zum Hotel von den Fluten mitgerissen. Der Taxifahrer kam dabei ebenfalls ums Leben. Ein Mann sei noch nicht identifiziert. Bei dem Mann handelt es sich Behördenangaben zufolge ebenfalls um einen Ausländer.

Am schlimmsten betroffen war der Ort Sant Llorenç des Cardassar 60 Kilometer östlich von Palma. "Der Weg durch das Dorf gleicht einer Odyssee", sagte ein Kommentator im spanischen Fernsehen. Menschen wateten auch zwei Tage nach dem Unwetter noch immer knöcheltief durch braunen Schlamm.

Tausende Einwohner hätten bei der Katastrophe all ihre Besitztümer verloren, hiess es. Balearen-Präsidentin Armengol sprach von "Millionenschäden".

An den Aufräumarbeiten und Hilfsaktionen beteiligten sich zahlreiche Freiwillige, darunter der mallorquinische Tennis-Star Rafael Nadal. Bereits kurz nach der Katastrophe hatte er seine Sportanlage "Rafa Nadal Academy" in Manacor für Menschen geöffnet, die nicht in ihren Häusern übernachten konnten. Auf Bildern ist zu sehen, wie der 32-Jährige zudem in Gummistiefeln und Arbeitshandschuhen eine Autowerkstatt mit einem Besen von Schlamm befreit.


Unterdessen wuchs die Kritik an den Behörden. Viele Einwohner klagten über fehlende Unwetterwarnungen. Nach Auffassung der Zeitung "El País" zeigt die "Tragödie" schwere Fehler "bei der Koordinierung und Stadtplanung" auf. Nach Einschätzung der Umweltorganisation Ecologistas en Acción hätte sich die "Tragödie von Sant Llorenç vermeiden lassen, wäre das Bauverbot für Überschwemmungsgebiete respektiert worden".

Auch Sardinien kämpfte am Donnerstag mit Hochwasser und heftigem Regen. Der Chef des Zivilschutzes, Angelo Borrelli, rief die Bürger auf, sich keinen unnötigen Risiken auszusetzen. Besonders schlimm war die Situation rund um die Hauptstadt Cagliari. 

Dutzende Menschen wurden in Sicherheit gebracht, Strassen gesperrt. Offenbar gerade rechtzeitig: Die Überführung einer Verbindungsstrasse zwischen Cagliari und Capoterra hatte am Mittwoch der Wucht des Wassers nicht standgehalten und war gebrochen. "Für mich ist das einzige, was zählt, dass es keine Verletzten gegeben hat. Die Schäden lassen sich reparieren", sagte der Bürgermeister von Capoterra, Francesco Dessì.

Andernorts spielten sich aber dramatische Szenen ab: Eine Familie wollte im Auto flüchten, weil der Fluss in der Nähe ihres Hauses bedrohlich angeschwollen war. Der Vater und die drei Töchter konnten sich in Sicherheit bringen, die Mutter wurde vom Wasser mitgerissen und am Donnerstag tot gefunden. 

Betroffen war auch Südfrankreich, wo nach heftigem Regen mehrere Autos ins Mittelmeer gespült wurden. Ein Mensch wurde tot in seinem Wagen gefunden. 

Bei der Gemeinde Sainte-Maxime in der Nähe von Saint-Tropez an der Côte d'Azur seien fünf Autos von einem über die Ufer getretenen kleinen Fluss mitgerissen worden, sagte der örtliche Präfekt Jean-Luc Videlaine am Donnerstag dem Sender BFMTV.

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(sda)


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