Handball-Nati in Zug scheitert trotz toller Leistung


Roman Spirig
Sport / 12.06.18 23:56

Die Schweizer Handballer müssen weiter auf die erste WM-Teilnahme seit 1995 warten. Zwar gewann das Team von Trainer Michael Suter in Zug das Playoff-Rückspiel gegen den WM-Zweiten Norwegen 33:30. Das reichte jedoch nach der 26:32-Niederlage vom Samstag nicht.

Handball-Nati in Zug scheitert trotz toller Leistung  (Foto: KEYSTONE / ALEXANDRA WEY)
Handball-Nati in Zug scheitert trotz toller Leistung (Foto: KEYSTONE / ALEXANDRA WEY)
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Obwohl die Chancen nach dem Hinspiel in Stavanger nur noch minim waren, war zu spüren, dass die Schweizer an die Sensation glaubten. Und genau das zeichnet die Mannschaft aus, seit Suter vor zwei Jahren das Amt übernommen hat.

Die Einheimischen begannen äusserst konzentriert und lagen nach 14 Minuten 9:6 vorne. Torhüter Nikola Portner parierte vier der ersten acht Schüsse der Norweger. Dennoch lag das Heimteam zur Pause 15:16 hinten. Das tat der Moral aber keinen Abbruch. Vielmehr legten die Schweizer einen furiosen Start in die zweite Halbzeit hin und gingen in der 38. Minute 22:18 in Führung. Die 3450 Zuschauer verwandelten die Bossard Arena, normalerweise die Heimstätte des EV Zug, in ein Tollhaus.

"Gegen eine solche Mannschaft in einen Flow zu kommen, ist nicht einfach. Das gelang uns aber", erklärte Suter. Dennoch liessen sich die individuell klar besser besetzten Skandinavier nicht entscheidend abhängen. Deshalb blieb den Schweizern am Ende "nur" eine Ehrenmeldung in Form des ersten Sieges gegen Norwegen nach neun Niederlagen.

Die Gefühlswelt bei Suter war ambivalent. "Wir gewinnen das Heimspiel gegen den WM-Zweiten und können uns nicht freuen." Später werde jedoch überwiegen, dass sie zu einer solchen Leistung fähig gewesen seien. Tatsächlich müssen sich die Schweizer in Zug nicht viel vorwerfen. Sie holten nahezu das Optimum aus ihren begrenzten Möglichkeiten heraus. Schade war einzig, dass sie gleich vier Penaltys verschossen - einmal verwandelte Andy Schmid den Nachschuss.

Der 34-jährige Schmid, der Top-Regisseur der Rhein-Neckar Löwen und gerade erst zum fünften Mal hintereinander zum MVP der Bundesliga gekürt, war der klare Leader des Schweizer Teams. Er übernahm sehr viel Verantwortung und schoss nicht weniger als 21 Mal auf das gegnerische Tor, wobei er zwölfmal erfolgreich war. "Es ist unglaublich, wie er gespielt hat", zollte ihm Suter Respekt. Er ist froh, dass nun bezüglich der Zukunft von Schmid im Nationalteam Klarheit herrscht.

Weiter ist Portner aus dem starken Schweizer Kollektiv herauszuheben. Der Champions-League-Sieger mit Montpellier verzeichnete 17 Paraden, wovon elf in der zweiten Hälfte. Ausserdem schoss er zwei Tore. "Es ist schwierig, das Ganze zusammenzufassen", so Portner. "Wir wollten unbedingt an die WM."

Der Sieg der SHV-Auswahl ist umso höher einzuschätzen, als Suter auf neun verletzte Akteure verzichten musste. "Ich hatte in den letzten zwei Jahren in jedem Lehrgang andere Spieler", sagte Suter. Diesmal fehlten ihm im Rückraum gleich fünf Linkshänder, sodass der gelernte Flügel Nik Tominec auf dieser Position spielen musste. Suter machte allerdings aus der Not eine Tugend, und setzte im Angriff praktisch während der gesamten Partie auf sieben Feldspieler. Das zahlte sich aus, auch wenn die Schweizer drei Gegentreffer ins leere Gehäuse kassierten. "Das sind neue Erfahrungswerte und gibt mehr Varianten", erklärte Suter.

Selbstredend hofft er aber, endlich mal aus den Vollen schöpfen zu können, um "auf gewissen Positionen einen Konkurrenzkampf zu haben". Denn im Oktober geht es mit der nächsten Kampagne weiter - der Qualifikation für die EM-Endrunde 2020 in Österreich, Schweden und Norwegen. Dann nehmen nicht mehr 16, sondern neu 24 Mannschaft teil. Das steigert selbstredend die Chancen der SHV-Auswahl. Die Gegner in der Gruppe 2 sind Kroatien, Serbien und Belgien. Die ersten Gegner sind auswärts Kroatien und zu Hause Serbien.

"Wir können uns mit diesem Sieg nichts kaufen", sagte Suter. "Es ist Demut angesagt". Allerdings sei der Erfolg gegen Norwegen ein wichtiger Schritt für das Selbstverständnis der Mannschaft gewesen. Die Zukunft des Schweizer Handballs scheint jedenfalls rosiger als auch schon zu sein.

(sda)


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