Grossflächige Hitze von 2018 war ohne Klimawandel nicht möglich


Roman Spirig
International / 09.04.19 15:32

Im Sommer 2018 erfasste eine Hitzewelle weite Teile Europas, Nordamerikas und Asiens. Gleichzeitige Hitze auf einer derart grossen Fläche hätte es ohne den menschgemachten Klimawandel nicht gegeben, berichten Forschende der ETH Zürich.

Grossflächige Hitze von 2018 war ohne Klimawandel nicht möglich (Foto: KEYSTONE /  / )
Grossflächige Hitze von 2018 war ohne Klimawandel nicht möglich

Der Sommer 2018 war ungewöhnlich. Die anhaltende Hitze traf nicht nur eine Region, sondern viele gleichzeitig. Dies sei nur aufgrund des menschgemachten Klimawandels möglich gewesen, schlussfolgern Forschende um Sonia Seneviratne von der ETH Zürich aus Beobachtungs- und Modelldaten. Die Ergebnisse stellte ETH-Klimaforscherin Martha Vogel am Dienstag an der Generalversammlung der European Geoscience Union (EGU) in Wien vor.

Um herauszufinden, wie sich grossflächige Hitzewellen im Zuge des Klimawandels entwickeln könnten, nutzten die Forschenden Beobachtungsdaten aus den Jahren 1958 bis 2018 und Simulationen. Dabei fokussierten sie insbesondere auf Schlüsselregionen für die Landwirtschaft und dicht besiedelte Regionen, wie die ETH am Dienstag mitteilte.

Die Analyse des Sommers 2018 zeigte, dass zwischen Mai und Juli 22 Prozent der besiedelten und landwirtschaftlich genutzten Fläche der Nordhalbkugel gleichzeitig extrem hohe Temperaturen erlebte. Mindestens 17 Länder waren betroffen.

Solch grossflächige Hitzewellen gab es erstmals 2010, dann erneut 2012 und eben 2018. Den Beobachtungsdaten zufolge gab es zuvor jedoch keine Hitzewellen, die derart grosse Gebiete gleichzeitig erfassten.

Und dies ist erst der Anfang, wie die Modellrechnungen der Forschenden zeigen. Mit der Klimaerwärmung werden grossflächige Hitzeextreme immer wahrscheinlicher. Bei einer globalen Erwärmung um 2 Grad Celsius könnte eine so grossflächige Hitzewelle wie im Sommer 2018 jedes Jahr anstehen, schrieb die ETH.

Derzeit beträgt die Klimaerwärmung bereits rund 1 Grad gegenüber die vorindustriellen Zeit - und die Konsequenzen seien bereits deutlich spürbar, liess sich Seneviratne zitieren.

Die Entwicklung bezeichnet Vogel als alarmierend: "Wenn künftig mehr und mehr Flächen in landwirtschaftlichen Schlüsselregionen und dicht besiedelten Regionen gleichzeitig von Hitze betroffen sind, kann das gravierende Konsequenzen haben."

Kämpften gleichzeitig mehrere Länder mit solchen Naturkatastrophen, sei keine gegenseitige Hilfe mehr möglich, betonte Seneviratne gemäss der ETH-Mitteilung. Als Beispiel nannte sie die Waldbrände 2018 in Schweden: Damals hätten noch mehrere Länder mit Infrastruktur zur Brandbekämpfung aushelfen können. Wären jedoch mehrere Nationen gleichzeitig von grossen Waldbränden betroffen, könnten sie andere betroffene Länder nicht mehr unterstützen.

Auch könnten landwirtschaftliche Erträge grossflächig einbrechen und Lebensmittelpreise massiv verteuern. Dies zeigte sich bereits 2010, als eine Hitzewelle in Russland und der Ukraine die dortige Weizenproduktion einbrechen liess und die Weizenpreise stiegen. In Pakistan, das stark auf Weizen aus Russland angewiesen ist, stiegen die Preise um 16 Prozent.

Grossflächige Extremereignisse könnten letztlich auch die Versorgung mit Nahrungsmitteln in der Schweiz gefährden, so Seneviratne.

(sda)


Anzeige

Das könnte Sie auch interessieren

Wawrinka im Auftaktspiel völlig ungefährdet
Sport

Wawrinka im Auftaktspiel völlig ungefährdet

Stan Wawrinka gewann seine Auftaktpartie an den Swiss Indoors ohne jedes Problem 6:3, 6:4 gegen den Uruguayer Pablo Cuevas (ATP 45) und steht in den Achtelfinals. Er schaffte in beiden Sätzen ein frühes Break, zum 3:1 im ersten und zum 2:1 im zweiten.

Österreichische XXXL-Lutz-Gruppe kauft Möbel Pfister
Schweiz

Österreichische XXXL-Lutz-Gruppe kauft Möbel Pfister

Das Schweizer Einrichtungshaus Möbel Pfister geht in ausländische Hände über. Die österreichische XXXLutz-Gruppe erwirbt dieses von der bisherigen Eigentümerin, der F.G. Pfister Holding, wie diese heute mitteilte.

Luzerner Kriminalgericht verurteilt Kokain-Dealer
Regional

Luzerner Kriminalgericht verurteilt Kokain-Dealer

Das Luzerner Kriminalgericht hat einen 37-jährigen Kokain-Dealer zu einer Freiheitsstrafe von zwei Jahren und acht Monaten verurteilt. Zwölf Monate muss er unbedingt vollziehen.

Gemeinde Ebikon budgetiert ein Minus von 2,7 Millionen Franken
Regional

Gemeinde Ebikon budgetiert ein Minus von 2,7 Millionen Franken

Die Luzerner Vorortsgemeinde Ebikon budgetiert für 2020 ein Defizit von 2,69 Millionen Franken. Gründe für das Minus sieht der Gemeinderat unter anderem in den steigenden Soziallasten, der Umsetzung des Lehrplans 21 aber auch im Steuerfussabtausch mit dem Kanton.