Goldau: Autobahnbrücken im Schnellzugtempo verstärken und abdichten


Roman Spirig
Regional / 12.07.18 10:57

Dank eines neuen Baustoffs soll der Strassenbau beschleunigt werden. Der Bund dichtet erstmals Autobahnbrücken mit einem Verfahren ab, dank dem statt drei zeitaufwändige und witterungsabhängige Arbeitsschritte nur noch ein Arbeitsgang nötig ist.

Goldau: Autobahnbrücken im Schnellzugtempo verstärken und abdichten  (Foto: KEYSTONE /  / )
Goldau: Autobahnbrücken im Schnellzugtempo verstärken und abdichten (Foto: KEYSTONE / / )

Ultra-Hochleistungs-Faserbeton (UHFB) nennt sich das neue Material, das das Bundesamt für Strassen Astra am Donnerstag bei Goldau SZ auf einer Autobahnbaustelle vorführte. Der grossflächige UHFB-Einbau ohne separate Abdichtung sei schweizweit eine Premiere, teilte es mit. Die Neuheit verkürze die Bauzeit, die Strasse könne wieder schneller dem Verkehr übergeben werden.

Verbaut wird der UHFB auf den drei Brücken Linden, Mettlen und Boli der A4 zwischen Küssnacht und Brunnen auf eine Fläche von 14'000 Quadratmetern. Der 20 Kilometer lange Autobahnabschnitt ist 35 Jahre alt und wird in drei Etappen bis 2022 erneuert.

Um ein Rosten der Armierung zu vermeiden, werden Autobahnbrücken abgedichtet. Bislang wurde dies mit einer Epoxidharz-Versiegelung und mit Polymer-Bitumen-Dichtungsbahnen gemacht. Für diese Abdichtung waren drei zeitintensive Arbeitsschritte nötig, die bei trockenem und heissem Wetter durchgeführt werden mussten. Das Harz musste jeweils 24 bis 48 Stunden aushärten.

Beim Einbau mit UHFB entfielen diese Arbeitsschritte, teilte das Astra mit. Es brauche lediglich gewisse Nachbehandlungen, die aber nicht witterungsabhängig seien und den Bauablauf nur kurzfristig störten.

UHFB enthalte drei bis vier Mal mehr Zement sowie mehr Bindemittel als normaler Beton, sagte Bauleiter Christian Schmuckle gegenüber der Nachrichtenagentur Keystone-sda. Weiter enthalte er pro Kubikmeter 200 Kilogramm Stahlfasern sowie Feinsand, aber keinen Kies.

Diese Zusammensetzung macht den UHFB gegenüber herkömmlichen Beton dichter und härter, die Gefahr von Rissen ist geringer. Der neue Baustoff weise eine ausgeprägte Druck- und Zugfestigkeit aus, teilte das Astra mit. Werde er zur Verstärkung eingesetzt, könne er viel dünner eingebaut werden als normaler Beton, so dass die Trägerkonstruktion weniger belastet werde. Nach 24 Stunden habe UHFB die Festigkeit, die Beton erst nach 28 Tagen habe.

Das Astra hatte UHFB bereits 2014 beim Chillon-Viadukt bei Montreux VD eingebaut, damals war aber noch eine separate Abdichtung nötig. Die ETH Lausanne begleitet das Projekt wissenschaftlich.

Der UHFB-Einbau auf der A4 werde für die Bauzukunft ein wegweisendes Referenzprojekt darstellen, teilte das Astra mit. Eingesetzt werden kann der Baustoff gemäss Bauingenieur Schmuckle zur Verstärkung bestehender Bauwerke, für Abdichtungen sowie als mechanischen Schutz.

(sda)


Anzeige
Anzeige

Das könnte Sie auch interessieren

Flughafen Bern baut nach SkyWork-Konkurs Stellen ab
Schweiz

Flughafen Bern baut nach SkyWork-Konkurs Stellen ab

Die Flughafen Bern AG streicht nach dem Konkurs der Berner Fluggesellschaft SkyWork Airlines 10 von 86 Stellen. Zudem legt der Verwaltungsrat ein Ausbauprojekt auf Eis.

Abgeschleppter Lastwagen kippt in Geuensee LU Böschung hinunter
Regional

Abgeschleppter Lastwagen kippt in Geuensee LU Böschung hinunter

Weil ein Pannenlastwagen vor einem Kreisel in Geuensee abbremsen musste, sind er und der abgeschleppte Lastwagen von der Strasse abgekommen. Letzterer fuhr eine Böschung hinunter und kippte. Verletzt wurde niemand. Der Sachschaden beträgt 100'000 Franken.

Unbekannter entreisst älterem Mann in Erstfeld UR Couvert mit Geld
Regional

Unbekannter entreisst älterem Mann in Erstfeld UR Couvert mit Geld

Nachdem ein älterer Mann am Mittwochnachmittag an einem Bankschalter in Erstfeld Geld bezogen hatte, ist er auf dem Heimweg von einem Unbekannten überfallen worden. Dieser riss ihm das Couvert mit dem Geld aus der Hemdtasche.

Richter darf Entlassung von Luzerner Theologieprofessor beurteilen
Regional

Richter darf Entlassung von Luzerner Theologieprofessor beurteilen

Ein Luzerner Richter muss bei der Beurteilung der Freistellung eines Theologieprofessors nicht in Ausstand treten, obwohl er als Lehrbeauftragter an der Universität Luzern tätig ist. Es bestehe kein Anschein von Befangenheit, hält das Kantonsgericht fest.