Der Sensations-Sieger: Gary Woodland - sehr nervenstarker Aussenseiter


Roman Spirig
Sport / 17.06.19 16:00

Das 119. US Open der Golfprofis in Pebble Beach brachte einen Sieger hervor, mit dem kaum jemand gerechnet hatte. Der 35-jährige Amerikaner Gary Woodland hielt die namhafte Konkurrenz um drei und mehr Schläge auf Distanz.

Der Sensations-Sieger: Gary Woodland - sehr nervenstarker Aussenseiter (Foto: KEYSTONE / EPA / ERIK S. LESSER)
Der Sensations-Sieger: Gary Woodland - sehr nervenstarker Aussenseiter (Foto: KEYSTONE / EPA / ERIK S. LESSER)

Am Ende der zweiten Runde übernahm der Underdog aus Topeka im Bundesstaat Kansas die alleinige Führung. Von dort weg liess er keinen Gegner jemals gleichziehen. Die Differenz von drei Schlägen zwischen Woodland und dem zweitplatzierten Topfavoriten Brooks Koepka am Schluss des mit 12,5 Millionen Dollar dotierten Majorturniers an Kaliforniens Küste südlich von San Francisco machten jede Diskussion über Glück und Pech überflüssig. Woodland hatte Koepka auf höchstens einen Schlag herankommen lassen.

An jedem der jährlich vier Turniere auf Grand-Slam-Stufe spürt ein auftrumpfender Aussenseiter in der Schlussrunde einen Druck, der schier unerträglich wird, je näher der Sensationssieg rückt. Viele Profis sind in der Vergangenheit daran zerbrochen. Aber Woodland liess sich nie etwas anmerken. Auf den letzten Löchern war er sogar eindeutig stärker als Koepka. Woodland spielte ohne erkennbare Schwäche zu Ende, als wäre er es - und nicht Koepka -, der vier der letzten acht grossen Turniere gewonnen hatte. Dabei hatte Woodland auf dem amerikanischen Circuit in Wirklichkeit erst ein einziges (herkömmliches) Turnier gewonnen, und dies schon vor über acht Jahren.

Nach dem Triumph sprach Gary Woodland besonders von dieser schweren Prüfung in der Schlussrunde, die er bravourös bestanden hatte. "Den ganzen Tag klopfte Brooks (Koepka) an die Tür", sagte Woodland. "Ich war stolz, dass ich ganz bei mir blieb und mich selber kontrollieren konnte." Woodland krönte seine Glanzleistung auf dem 18. Green, als er den Ball aus gut zehn Metern zu einem weiteren Schlaggewinn (Birdie) versenkte.

Koepka hätte das US Open als erster Golfer seit 114 Jahren, seit dem Schotten Willie Anderson, dreimal in Folge gewinnen können. Aber der 29-jährige Floridaner musste Woodlands Überlegenheit anerkennen. Im Golf spielt jeder seinen eigenen Ball, die Widersacher können nicht direkt aufeinander Einfluss nehmen wie etwa im Tennis. In der Schlussrunde konnten sich die beiden einzigen verbliebenen Siegesanwärter nicht einmal in die Augen schauen, denn Koepka spielte in der vorletzten, Woodland in der letzten Zweiergruppe. Koepka sagte: "Manchmal nützt es nichts, so gut dein eigenes gutes Spiel auch sein mag."

Brooks Koepka egalisierte in Pebble Beach einen bemerkenswerten Rekord. Als vierter Spieler der Geschichte nach den Amerikanern Lee Trevino (1968) und Lee Janzen (1993) sowie dem Nordiren Rory McIlroy (2011) blieb er in allen vier Runden eines US Open unter den an den Majorturnieren als magisch geltenden Marke von 70 Schlägen. Trevino, Janzen und McIlroy hatten das jeweilige Turnier gewonnen, Koepka blieb dies trotz des starken Auftritts verwehrt.

Tiger Woods beendete das Turnier im 21. Rang. In der Schlussrunde machte er mit 69 Schlägen sechs Plätze gut. Der Verlierer der Schlussrunde war der Weltranglisten-Vierte Justin Rose. Der 38-jährige Engländer, Gewinner des US Open 2013 und Olympiasieger in Rio de Janeiro 2016, nahm die letzten 18 Löcher mit nur einem Schlag Rückstand auf Woodland in Angriff. Auf der ersten Platzhälfte büsste er zwei Schläge ein, und mit drei Schlagverlusten (Bogeys) zwischen dem 12. und dem 15. Loch fiel er ganz aus der Entscheidung.

Rory McIlroy hatte vor dem Schlusstag noch gewisse Chancen auf den Sieg gehabt, aber auch er spielte mit 72 Schlägen (1 über Par) seine schwächste Runde des Turniers. Der 30-jährige Superstar aus dem Städtchen Holywood bei Belfast wartet seit fast fünf Jahren auf den fünften grossen Sieg seiner Karriere.

(sda)


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