Der Match der fast letzten Chance


Roman Spirig
Sport / 06.11.18 11:57

Die Young Boys stehen am Scheideweg: Die 4. Runde der Champions League am Mittwochabend in Valencia (18.55 Uhr) entscheidet über die Europacup-Perspektiven der Berner.

Der Match der fast letzten Chance  (Foto: KEYSTONE / THOMAS HODEL)
Der Match der fast letzten Chance (Foto: KEYSTONE / THOMAS HODEL)

Nach dem Match in Valencia werden die Young Boys ziemlich gut einschätzen können, was noch möglich ist in ihrer ersten Saison in der Champions League. Es sei vielleicht die letzte Chance, noch etwas zu erreichen, blickte Steve von Bergen voraus. Mit einer Niederlage würden die Chancen, im Europacup zu überwintern, gegen null tendieren, mit einem Remis könnte YB die Hoffnungen zumindest aufrecht erhalten, und ein Sieg wäre ein womöglicher entscheidender Schritt Richtung Platz 3.

Mit der zweiten Halbzeit aus dem Heimspiel gegen Valencia im Hinterkopf haben die Berner die Reise nach Spanien angetreten. Sie gibt ihnen Zuversicht, das nach dem ersten Tor und dem ersten Punkt in der Champions League am Mittwoch auch der erste Sieg möglich ist. 45 Minuten lang setzten die Berner den favorisierten Gegner daheim unter Druck. Mit der positiven Einstellung, die YB im Stade de Suisse auszeichnete, will die Mannschaft auch auswärts gegen den verunsicherten spanischen Vertreter agieren.

In Valencia werden die Bedingungen anders sein als in Bern, die Herausforderung im ungewohnten Umfeld und vor mehrheitlich gegnerischen Fans noch etwas grösser. Doch der Zeitpunkt scheint ideal, um etwas Zählbares aus dem 55'000 Zuschauer fassenden Estadio Mestalla mitzunehmen. Valencia steckt in der Krise, die sich seit dem ersten Aufeinandertreffen der beiden Teams durch ein Remis in Bilbao und eine Heimniederlage am Samstag gegen Girona noch verstärkt hat. Trainer Marcelino hat mit seinen hoch dotierten Spielern nach 11 Runden 16 Punkte weniger geholt als zum gleichen Zeitpunkt im letzten Jahr.

Der Geduldsfaden, der dank dem 4. Platz der Vorsaison etwas resistenter ist als üblich, droht bald zu reissen. Das verlorene Spiel gegen Girona, das Valencia eigentlich klar dominierte, quittierten die Fans mit einem Pfeifkonzert. Sie warten seit Mai auf einen Heimsieg. Die beiden einzigen Erfolge in dieser Saison kamen auswärts zustande: in der Meisterschaft in San Sebastian und im Cup-Hinspiel letzte Woche gegen den Drittligisten Ebro. Beim 2:1 gegen Ebro gelangen zum ersten Mal seit Anfang September zwei Tore in einem Spiel.

Wenig erinnert derzeit an jenes treffsichere Valencia, das den Schweizer Klubs in der Vergangenheit so übel mitgespielt hat. Servette (0:3), St. Gallen (1:5) und Basel (2:6 und 0:5) haben in den letzten knapp 17 Jahren ihre schlechten Erfahrungen im Mestalla gemacht. Beim letzten Aufeinandertreffen mit einem Schweizer Team korrigierte Valencia im Viertelfinal der Europa League 2014 gegen Basel ein 0:3 aus dem Hinspiel mit einem 5:0-Sieg nach Verlängerung. Drei Treffer erzielte damals Paco Alcacer, der Goalgetter, der derzeit für Lucien Favres Dortmund stürmt.

An guten Angreifern fehlt es dem FC Valencia auch in dieser Saison nicht. Bloss treffen der Belgier Michy Batshuayi, der Franzose Kevin Gameiro und der Spanier Rodrigo, alles Internationale, kaum. Valencia ist die Selbstsicherheit, die YB national auszeichnet und gerade fürs Toreschiessen so entscheidend ist, abhanden gekommen. Von Bergen nimmt sich aber in Acht vor dem angeschlagenen Gegner mit dem grossen Potenzial und warnt davor, sich kopflos nach vorne zu werfen: "Das wäre total falsch!" Der Erfolg führt für den Captain und Abwehrchef über ein defensiv perfektes Spiel.

Eine Lektion haben die Berner in den ersten drei Champions-League-Runden gelernt: Fehler werden auf diesem Niveau bestraft und sind auch für die starke Berner Offensive kaum mehr zu kompensieren. Hinten gut stehen ist in der Champions League die Basis, die YB etwas verloren hatte mit den vielen Gegentoren im Oktober. Nun gelangen zuletzt zwei Zu-null-Siege gegen Nyon im Cup und gegen die Grasshoppers. Das ist zumindest gute Vorarbeit für die ungleich schwierigere Aufgabe in Valencia.

(sda)


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