Der Mann aus Sursee Seferovic und Edimilson Fernandes bringen die Erlösung


Roman Spirig
Sport / 16.10.19 08:23

Die Schweiz hat in der EM-Qualifikation gegen Irland in die Spur zurückgefunden. Dank dem 2:0 in Genf kann sie sich das EM-Ticket in den letzten beiden Spielen aus eigener Kraft holen und sich sogar noch ein Unentschieden leisten.

Der Mann aus Sursee Seferovic und Edimilson Fernandes bringen die Erlösung (Foto: KEYSTONE / CYRIL ZINGARO)
Der Mann aus Sursee Seferovic und Edimilson Fernandes bringen die Erlösung (Foto: KEYSTONE / CYRIL ZINGARO)

Am Ende stand ein 2:0 von besonderem Wert - ein hochverdientes und dennoch reichlich erzittertes 2:0. Haris Seferovic erzielte den frühen ersten Treffer, Edimilson Fernandes den späten zweiten.

Der dritte Sieg im achten Spiel des Jahres war ein besonders wertvoller. Schlagartig sind die Schweizer Perspektiven wieder rosig. Der Rückstand in der Tabelle auf Irland und das punktgleiche Dänemark schrumpfte auf einen Punkt, was bedeutet, dass sich die Schweiz noch aus eigener Kraft für die Endrunde 2020 qualifizieren kann. Weil der Sieg mit mehr als einem Tor Differenz ausfiel, reichen ihr aus den verbleibenden Partien am 15. November gegen Georgien und am 18. November in Gibraltar sogar vier Punkte - erstaunlich rosige Aussichten angesichts dessen, dass die Schweiz die Hälfte ihrer Partien nicht gewonnen hat.

Trotz früher Führung und grosser Überlegenheit war die Anspannung im mit 24'766 Zuschauern gefüllten Stade de Genève bis fast zuletzt greifbar. Vieles war in den letzten Wochen und Monaten nicht wunschgemäss gelaufen beim Schweizer Nationalteam, hausgemachte Unruhen und späte Gegentore störten das Klima empfindlich und sorgten für eine Verunsicherung. Fünfmal gab die Schweiz in den letzten zwölf Monaten eine Führung aus der Hand, dreimal passierte es in der EM-Qualifikation, weshalb das Heimspiel gegen Irland eines von erhöhter Bedeutung war. Das an sich stabile Schweizer Konstrukt hatte sich in den Schlussminuten als anfällig herausgestellt.

So kam es, dass die Schweizer auch gegen die Iren trotz spürbarer Überlegenheit zitterten. Mitunter drückte sich die Verunsicherung im vergebenen, weil etwas zögerlich geschossenen Foulpenalty von Ricardo Ricardo Rodriguez in der 77. Minute aus. Seferovic, Embolo und Fabian Schär vergaben weitere Chancen. Schär schlenzte den Ball einmal knapp am Pfosten vorbei, ein anderes Mal traf er nach einer Stunde per Kopf den Pfosten. Und doch: Die Schweiz schlug das bescheidene Irland, das im siebten Spiel aber erst zum dritten Mal ein Gegentor zuliess, hochverdient und ist wieder auf WM-Kurs. Sie offenbarte erneut Schwächen im Tor-Vollzug, brachte einen frühen Vorsprung aber über die Zeit und schuf sich dank dem späten 2:0 nicht nur eine günstige, sondern sehr günstige Ausgangslage.

Einfach wurde es den Schweizern nicht gemacht. Anhaltender Regen zog den Platz durch Tag in Mitleidenschaft, es herrschten Bedingungen, die dem Gegner und dessen rustikalem Spiel in die Karten spielten. Ohne die Unterstützung des heimischen Anhang waren die Iren aber nicht ganz so härtnackig wie beim beim 1:1 vor fünf Wochen in Dublin, als die Schweizer fast 75 Minuten lang keinen Schuss auf das gegnerische Tor gebracht hatten. In der ersten Halbzeit waren die Gäste fast ausschliesslich am Verteidigen und verpufften zwei, drei ihrer seltenen Vorstösse, bevor richtige Torgefahr entstand - einmal verhinderte eine Abseitsstellung eine grosse Chance. Nach der Pause zeigten sie sich in ihren Bemühungen, selbst ein Tor zu erzielen, gewillter, doch ein viertes Mal liessen die Schweizer in dieser Kampagne keinen späten Gegentreffer zu.

Das so erlösende wie überfällige 2:0 fiel erst in der 93. Minute. Edimilson Fernandes, der noch in der ersten Halbzeit für den verletzten Admir Mehmedi ins Spiel kam, vollendete einen Konter. Den Führungstreffer erzielte Haris Seferovic nach einer Viertelstunde. Der Stürmer von Benfica Lissabon, vor einer Woche zum Schweizer Spieler des Jahres ausgezeichnet, traf nach einem erfolgreichen Nachsetzen von Manuel Akanji mit einem platzierten Flachschuss von ausserhalb des Strafraums. Das frühe 1:0 vereinfachte vieles an diesem Abend, machte die drei Punkte aber nicht zum Selbstläufer.

(sda)


Anzeige

Das könnte Sie auch interessieren

Zwei Lenker bei Frontalkollision in Emmetten verletzt
Regional

Zwei Lenker bei Frontalkollision in Emmetten verletzt

Eine 89-jährige Frau ist am Mittag in Emmetten mit ihrem Auto aus ungeklärten Gründen auf die Gegenfahrbahn geraten. Dort stiess sie frontal mit einem Lieferwagen zusammen. Die Lenker beider Fahrzeuge verletzten sich.

War es eher Verleumdung? Rickli-Rap geht zurück ans Berner Obergericht
Regional

War es eher Verleumdung? Rickli-Rap geht zurück ans Berner Obergericht

Das Berner Obergericht muss sich noch einmal mit dem Rickli-Rap auseinandersetzen und prüfen, ob statt übler Nachrede allenfalls Verleumdung vorliegt. Das Bundesgericht hat eine Beschwerde der Berner Generalstaatsanwaltschaft teilweise gutgeheissen.

Klimawandel kostet Weltwirtschaft bis 2050 knapp 8 Billionen
International

Klimawandel kostet Weltwirtschaft bis 2050 knapp 8 Billionen

Der Klimawandel kostet die weltweite Wirtschaft bis 2050 knapp acht Billionen US-Dollar. Steigende Temperaturen, Dürren und Überschwemmungen sorgen laut einer Studie dafür, dass das weltweite Bruttoinlandsprodukt auf nur 250 statt 258 Billionen Dollar kommen wird.

Fair? Dänemark mit drei Heimspielen an der EM
Sport

Fair? Dänemark mit drei Heimspielen an der EM

Am Rande der Auslosung für die EM-Playoffs im kommenden Frühjahr in Nyon wurden weitere Fragen im Hinblick auf die EM-Endrunde und deren Auslosung am 30. November in Bukarest geklärt. Dänemark, das in der Qualifikation in der Gruppe D hinter der Schweiz Platz 2 belegt hat, wird seine drei Partien der Vorrunde in Kopenhagen austragen.