Das Nachspiel beim gefallenen Meister ZSC - An Überheblichkeit gescheitert - Bleibt Arno?


Roman Spirig
Sport / 05.03.19 16:30

Der ZSC galt letzten Sommer als Transfersieger und Meisterschaftsfavorit. Das Potenzial, trotz schwacher Qualifikation wieder Meister zu werden, wäre da gewesen. Das 2:3 in Genf warf den Meister aber aus dem Rennen, noch ehe dieses mit den Playoffs richtig losgeht. Jetzt werden Gründe gesucht.

Das Nachspiel beim gefallenen Meister ZSC - An Überheblichkeit gescheitert - Bleibt Arno?  (Foto: KEYSTONE / WALTER BIERI)
Das Nachspiel beim gefallenen Meister ZSC - An Überheblichkeit gescheitert - Bleibt Arno? (Foto: KEYSTONE / WALTER BIERI)
(Foto: KEYSTONE / WALTER BIERI)
(Foto: KEYSTONE / WALTER BIERI)
(Foto: KEYSTONE / WALTER BIERI)
(Foto: KEYSTONE / WALTER BIERI)

Das schmähliche Scheitern der ZSC Lions in Genf setzte den Schlusspunkt hinter die spektakulärste Qualifikation in der Geschichte des Schweizer Eishockeys - mit dem Absturz des HC Davos, den unerwarteten Höhenflügen von Ambri-Piotta und Langnau und der völlig unerwarteten Weigerung Luganos, den Trainer zu entlassen. Dass die ZSC Lions indes die Playoffs verpassten, stellte alles andere in den Schatten.

18 Stunden nach dem Verlust der letzten Hoffnung suchten die Lions Erklärungen - und fanden sie (noch) nicht. Sven Leuenberger, den Sportchef, beschäftigte die sportliche Talfahrt seit Wochen. "Mir unterlief der gleiche Fehler wie allen Experten. Ich sah letzten Sommer keine Prognose, die uns nicht mindestens auf Platz 4 sah. Ein Verpassen der Playoffs kam nicht in Frage. Auch ging ich fälschlicherweise davon aus, dass die Mannschaft nach der schwachen Qualifikation der letzten Saison ihre Lektion kapiert hat."

Zum gleichen Schluss war nach dem Spiel in Genf auch schon Peter Zahner gekommen, der CEO der ZSC Lions: "Wir wurden vor der Saison als Transfersieger gefeiert. Alle haben uns überschätzt. Und wir uns selber auch." Patrick Geering, der Captain, meinte noch, dass "wir die Playoffs nicht verpasst hätten, wenn wir die ganze Saison gespielt hätten wie am Montag in Genf". Aber auch im Spiel der letzten Chance setzte es eben nochmals eine Niederlage ab. Die ZSC Lions müssen in die Klassierungsrunde, weil sie gegen Servette in vier Spielen keinen einzigen Punkt und gegen den HC Davos nur fünf von zwölf möglichen Punkten holten.

Die grossen Analysen werden von den Lions für die Zeit nach der Saison angekündigt. Die Ursachenforschung wird sich aber kaum schwierig gestalten. Zwei Saisons lang spielte der Zürcher SC in der Qualifikation konstant schwach. Das kann kein Zufall mehr sein. Dass das letztjährige Meisterteam, das mit den Nationalspielern Denis Hollenstein und Simon Bodenmann plus den Top-Ausländern Roman Cervenka und Maxim Noreau noch verstärkt worden ist, in sechs bedeutungslosen Spielen um Platz 9 oder 10 spielt, wird die Lions-Organisation aufrütteln. Es ist nicht damit zu rechnen, dass Genügsamkeit, Überheblichkeit, Selbstüberschätzung und Nonchalance auch nächste Saison wieder im Hallenstadion einziehen können.

Denn die ZSC Lions bleiben trotz der verpassten Playoffs eine Musterorganisation im Schweizer Eishockey - mit der besten und grössten Nachwuchsabteilung, mit einem gut funktionierenden Farmteam (GCK Lions) und mit Funktionären, die zu den angesehensten und kompetentesten im Land zählen.

Die zentrale Frage bei der Aufarbeitung dieser Saison und der Planung der nächsten ist: Wer wird die ZSC Lions ab dem Sommer trainieren?

Erste Anzeichen lassen darauf schliessen, dass die Lions nicht gleich wieder den Trainer wechseln werden und stattdessen gewillt sind, Arno Del Curto eine zweite Chance zu geben. "Wir brauchen einen Cheftrainer, der die Spieler immer wieder antreibt, der aktiv coacht, der Einfluss nimmt und mit den Spielern spricht", sagte Peter Zahner. Zu diesem Anforderungsprofil passt Del Curto weiter perfekt.

Auch Sven Leuenberger spricht den Notnagel-Trainer, der 50 Tage nach der spektakulären Einstellung das Scheitern nicht erklären konnte, von Schuld frei. Leuenberger: "Natürlich hätten wir uns ein paar Punkte mehr gewünscht. Daneben erhielten wir von Arno genau das, was wir uns erhofft hatten. Er ist genau so authentisch, wie wir und alle ihn kennen. Er ist mal angenehm, mal fordernd, mal flucht er, dann streichelt er wieder. Genau so einen Trainer brauchen wir."

Nach der Saison werde man sich an einen Tisch setzen. Und dann werde man sehen, wie es weitergeht. Und was sagt Del Curto? Er sagt: "Nächste Frage." Und das sagt er immer und immer wieder. Es sei viel zu früh, darüber zu spekulieren, was sein könnte. Und überhaupt habe er zu dieser Thematik nichts zu sagen. Es wird klar: Arno Del Curto wird bei den ZSC Lions weitermachen, wenn er weitermachen darf. Del Curto: "Nein, ich bereute es nie auch nur einen Moment lang, dass ich bei den ZSC Lions eingestiegen bin. Ich wäre bei keinem anderen Klub in dieser Saison eingestiegen."

(sda)


Anzeige

Das könnte Sie auch interessieren

Bundespräsident Maurer trifft US-Präsident Trump im Weissen Haus
Wirtschaft

Bundespräsident Maurer trifft US-Präsident Trump im Weissen Haus

Bundespräsident Ueli Maurer hat heute im Weissen Haus in Washington US-Präsident Donald Trump zu einem knapp 40minütigen Gespräch getroffen. Es handelte sich um den ersten offiziellen Besuch eines Schweizer Bundespräsidenten im Weissen Haus.

Technikbus von DJ Bobo in Deutschland verunglückt
International

Technikbus von DJ Bobo in Deutschland verunglückt

Ein Reisebus des Schweizer Musikers DJ Bobo ist in Norddeutschland nahe Hamburg in einen Unfall mit mehreren Verletzten verwickelt worden.

Platz 4: Luca Hänni holt die Schweiz aus dem ESC-Sumpf
International

Platz 4: Luca Hänni holt die Schweiz aus dem ESC-Sumpf

Glanzresultat für die Schweiz am 64. Eurovision Song Contest in Tel Aviv: Der Berner Luca Hänni hat es am Samstagabend mit seinem Song "She Got Me" auf Platz 4 geschafft. Der grosse Gewinner des diesjährigen Wettbewerbs heisst Niederlande.

Tränen in Cannes: Elton John feiert Premiere von
International

Tränen in Cannes: Elton John feiert Premiere von "Rocketman"

Elton John kommt humpelnd zum Festival an der Côte d’Azur. Es wird eine emotionale Gala; doch allzu lange feiern lassen will sich die Musikikone nicht.