Daniel Martin düpiert die Konkurrenz


Roman Spirig
Sport / 13.07.18 00:02

Die erste Bergankunft der 105. Tour de France ging mit dem Sieg des Iren Daniel Martin zu Ende. Seinen Angriff an der Mûr-de-Bretagne konnte niemand kontern. Greg van Avermaet behauptete sich einen weiteren Tag im Leadertrikot.

Daniel Martin düpiert die Konkurrenz  (Foto: KEYSTONE / EPA / KIM LUDBROOK)
Daniel Martin düpiert die Konkurrenz (Foto: KEYSTONE / EPA / KIM LUDBROOK)

Alpe d'Huez der Bretagne nennen die Einheimischen die 2 km lange Rampe mit durchschnittlich knapp 7 Steigungsprozenten. Das mag etwas weit hergeholt sein, denn unter den Favoriten auf den Gesamtsieg konnte ihre Mauer natürlich keine vorentscheidenden Abstände bewirken. Dafür war der Schlussaufstieg dieser 6. Etappe zu wenig lang.

Verlierer gab es dennoch, wenngleich dies eher dem Pech zuzuschreiben war. Der Niederländer Tom Dumoulin, der Gesamtsieger des letztjährigen Giro d'Italia, erlitt sechs Kilometer vor dem Ziel einen Defekt und verlor dadurch 53 Sekunden auf Etappensieger Daniel Martin. Und auch der Franzose Romain Bardet büsste durch einen Materialschaden gut eine halbe Minute ein.

Für Dumoulin hatte die Jury hinterher noch eine unliebsame Überraschung bereit. Der Niederländer, der sich bei seiner Aufholjagd nach dem Defekt hinter den seinen Mannschaftswagen geklemmt hatte, wurde mit 20 Sekunden Zeitstrafe belegt; wegen unerlaubtem Windschattenfahren.

Dumoulin war vor dieser Etappe der bestklassierte Fahrer unter den Anwärtern auf den Gesamtsieg gewesen, nun aber liegt er in der Gesamtwertung 21 Sekunden hinter dem Briten Chris Froome, obwohl der offensichtlich nicht seinen besten Tag erwischt hatte. Der Topfavorit schlechthin, der vierfache Tour-Gesamtsieger, liess am Ende eine kleine Lücke offen und büsste ein paar Sekunden ein.

Den Tagessieg sicherte sich der 31-jährige Routinier Daniel Martin. 1,2 km vor dem Ziel trat der Ire an. Das einmal entstandene Loch vermochte niemand mehr zu schliessen. Martin siegte eine Sekunde vor dem Franzosen Pierre Latour und drei Sekunden vor einer grösseren Gruppe, die vom Spanier Alejandro Valverde angeführt wurde.

"Ich habe etwas früh angegriffen, zumal im Gegenwind. Aber wenn ich auf den Spurt gewartet hätte, wäre ich chancenlos gewesen", befand der in England geborene Martin nach seinem Sieg, dem zweiten in einer Tour de France. 2013 hatte er das Teilstück nach Bagnères-de-Bigorre für sich entschieden. Die Mûr-de-Bretagne war ihm in bester Erinnerung. Vor drei Jahren, als die Tour letztmals hier gastierte, belegte er hinter dem Franzosen Alexis Vuillermoz Platz 2. Diesmal machte er es besser.

In den kürzeren Steigungen fühlt sich der Neffe des früheren irischen Tour-de-France-Gesamtsiegers Stephen Roche besonders wohl. Seine grössten Erfolge hatte Martin 2013 und 2014 mit den Siegen bei Lüttich-Bastogne-Lüttich und der Lombardei-Rundfahrt errungen. Er kann aber auch in grossen Rundfahrten bestehen. Letztes Jahr beendete er die Tour de France als Gesamt-Sechster.

Einen erfolgreich Tag verbrachte auch Greg van Avermaet. Nicht zuletzt dank der wertvollen Hilfe seines Schweizer Teamkollegen Stefan Küng verteidigte der Belgier sein Leadertrikot einen weiteren Tag mit Erfolg. Van Avermaet erreichte das Ziel als 12. der Etappe, zeitgleich mit Valverde. Van Avermaet, der schon seit Montag die Gesamtwertung anführt, liegt nun 3 Sekunden vor dem Briten Geraint Thomas und 5 Sekunden vor dem amerikanischen Teamkollegen Tejay Van Garderen. Die ersten Sechs sind nur durch 18 Sekunden getrennt.

Aufregung gab es bereits 100 km vor dem Ziel, als sich wegen des Windes Staffeln bildeten und das Feld in drei Teile zersplittert wurde. Nairo Quintana konnte aus einer zweiten Gruppe relativ rasch wieder aufschliessen, aber der Slowene Primoz Roglic, der in ein drittes Feld zurückgefallen war, musste hart kämpfen. Mit Hilfe seiner Mannschaft fand der Gesamtsieger der Tour de Romandie erst knapp 30 km später wieder den Anschluss.

Am Freitag dürften die Sprinter wieder eine Chance erhalten. Zwischen Fougères und Chartres steht die mit 231 km längste Etappe der aktuellen Tour auf dem Programm, doch der Parcours ist vorwiegend flach, im Finale gar topfeben.

(sda)


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